{"id":12099,"date":"2018-02-15T14:00:06","date_gmt":"2018-02-15T13:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/examensrelevant.de\/?p=12099"},"modified":"2019-07-02T11:58:26","modified_gmt":"2019-07-02T09:58:26","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-niedersachsen-im-september-2017-2-3-3-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-niedersachsen-im-september-2017-2-3-3-2-2\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; Niedersachsen im Dezember 2017"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Niedersachsen im Dezember 2017<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<a href=\"http:\/\/juridicus.de\" target=\"_blank\" class=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"img-with-animation \" data-delay=\"0\" height=\"100%\" width=\"100%\" data-animation=\"fade-in\" src=\"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/juridicus-examensrelevant.jpg\" alt=\"\" \/><\/a>[vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text][\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsstoff:\u00a0<\/strong>protokollfest<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>Versuchter Mord, R\u00fccktritt, Besonders schwerer Raub, Haftbefehl<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen:\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/211.html\">\u00a7211 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">\u00a7249 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/22.html\">\u00a722 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/24.html\">\u00a724 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/112.html\">\u00a7112 StPO<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/span><\/strong>Frage-Antwort, h\u00e4lt Reihenfolge ein,\u00a0Intensivbefragung Einzelner,\u00a0Fragestellung klar<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pr\u00fcfer teilte uns zu Beginn einen Fall aus:<br \/>\nB wollte seine Mutter M um finanzielle Mittel erleichtern. Sein Plan sah vor, dass er bei seiner Mutter klingelt und sie ihn in ihre Wohnung eintreten l\u00e4sst. Danach wollte B ihr sagen, dass er eine \u00dcberraschung f\u00fcr sie habe und sie ihre Augen zun\u00e4chst schlie\u00dfen soll. Dann will er ihr mit einem greifbaren Objekt auf den Kopf schlagen, sodass sie ihn Ohnmacht falle. Hierbei war es ihm egal, was mit seiner Mutter durch diesen Schlag geschehe. Danach wollte er das Geld, was die M immer in ihrer Wohnung aufbewahrte, an sich nehmen.<br \/>\nB f\u00fchrte seinen Plan durch und Schlug der Mutter, als diese die Augen geschlossen hatte, auf den Kopf. Diese wurde jedoch nicht, wie von B erwartet, ohnm\u00e4chtig, sondern blieb bei Bewusstsein. Durch den Schlag war sie jedoch sehr verwirrt und verstand nicht mehr, was um sie geschah.<br \/>\nB \u00e4nderte daraufhin seinen Tatplan und brachte seine Mutter ins Krankenhaus. Im Krankenhaus nahm er dann von seiner Mutter, die nicht wusste, was geschehen war, den Schl\u00fcssel zu ihrer Wohnung. Er verlie\u00df das Krankenhaus, ging in die Wohnung der M und nahm das Geld an sich. Danach verlie\u00df er ihre Wohnung und kehrte in seine zur\u00fcck.<br \/>\nPr\u00fcfen Sie die Strafbarkeit des B nach dem StGB!<br \/>\nDer Pr\u00fcfer wollte dann zun\u00e4chst generell von uns Delikte h\u00f6ren, die wir pr\u00fcfen wollen. Es wurden versuchter Mord, schwerer Raub, gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung, Diebstahl in einem besonders schweren Fall, Hausfriedensbruch und Sachbesch\u00e4digung genannt.<br \/>\nDie Pr\u00fcfung begann mit dem versuchten Mord. Es kam dem Pr\u00fcfer bei der Pr\u00fcfung sehr darauf an, dass man die Pr\u00fcfungsschemata ausf\u00fchrt und sich nicht direkt auf die Probleme des Falles st\u00fcrzt. Zun\u00e4chst wurde somit die Vorpr\u00fcfung durchgef\u00fchrt bevor wir zum Tatentschluss gelangten. Hier wurden zun\u00e4chst die Vorsatzformen definiert und genauer erkl\u00e4rt bevor eine Abgrenzung von dolus eventualis und bewusster Fahrl\u00e4ssigkeit auf Grund des Wortes egal im Sachverhalt vorgenommen wurde. Anschlie\u00dfend wurden die m\u00f6glichen objektiven Mordmerkmale innerhalb des Tatentschlusses gepr\u00fcft. Hierbei wurde insbesondere das Mordmerkmal Heimt\u00fccke unter die Lupe genommen und welche Erfordernisse die Rechtsprechung bzw. die Literatur an dieses Merkmal (abgesehen von der Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers) stellen. Die Rechtsprechung fordert eine feindliche\u00a0Willensrichtung und die Literatur einen besonderen Vertrauensbruch. Da beides im Fall gegeben war, konnte ein Streitentscheid somit dahinstehen. Des Weiteren wurden dann die subjektiven\u00a0Mordmerkmale wie Habgier und niedrige Beweggr\u00fcnde erl\u00e4utert. Auch auf Nachfragen vom Pr\u00fcfer wurde das Mordmerkmal der Verdeckung- bzw. Erm\u00f6glichungsabsicht nicht mehr genannt. Dies schien ihm auch nicht so wichtig zu sein. Nach dem unmittelbaren Ansetzen, der Rechtswidrigkeit und der Schuld wurde dann ein R\u00fccktritt seitens des B gepr\u00fcft. In diesem Zusammenhang wurde auf die Einzelaktstheorie und die Gesamtbetrachtungslehre (Vorliegen eines fehlgeschlagenen Versuchs) sowie auf die Tatplantheorie und die Lehre vom R\u00fccktrittshorizont eingegangen (Vorliegen eines beendeten oder unbeendeten Versuchs). Zwischendurch stellte der Pr\u00fcfer Fragen wie: wof\u00fcr ist das Vorliegen eines fehlgeschlagenen Versuchs \u00fcberhaupt wichtig? Gibt es Stimmen, die meinen es sei irrelevant, ob ein solcher vorliegt oder nicht?&#8220; oder &#8222;haben Sie mitbekommen, dass der 211 StGB reformiert werden soll? Warum ist das so?<br \/>\nDanach stand der schwere Raub im Fokus. Auch dieser wurde im Einzelnen durchgepr\u00fcft. Beim Merkmal des Finalzusammenhangs zwischen der Gewaltanwendung und der Wegnahme hackte der Pr\u00fcfer genauer ein und lie\u00df alle Pr\u00fcflinge hintereinander erkl\u00e4ren und argumentieren warum ein solcher hier nun gegeben sei oder nicht. Letztendlich entschieden wir uns diesen anzunehmen, da noch keine hinreichende zeitliche Zensur vorlag und wir annahmen, dass B keinen neuen Entschluss gefasst hatte. Der Pr\u00fcfer wollte dann noch von einer Kandidatin h\u00f6ren, welche Delikte zu pr\u00fcfen w\u00e4ren, wenn wir den Finalzusammenhang und damit den schweren Raub abgelehnt h\u00e4tten.<br \/>\nSchlie\u00dflich wurde dann StPO gepr\u00fcft. Der Pr\u00fcfer ist insoweit protokollfest. Hier sollten wir einen Haftbefehl nach 112 StPO durchpr\u00fcfen. Diesen haben wir im vorliegenden Fall abgelehnt. Zwischendurch ging der Pr\u00fcfer noch auf die Verdachtsstufen ein.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Niedersachsen im Dezember 2017. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. 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