{"id":12516,"date":"2018-04-30T14:00:35","date_gmt":"2018-04-30T12:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/examensrelevant.de\/?p=12516"},"modified":"2019-07-01T10:30:45","modified_gmt":"2019-07-01T08:30:45","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-niedersachsen-im-september-2017-2-3-2-2-2-3-2-2-2-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-niedersachsen-im-september-2017-2-3-2-2-2-3-2-2-2-3\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; Hessen im Februar 2018"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Hessen im Februar 2018<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<a href=\"http:\/\/juridicus.de\" target=\"_blank\" class=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"img-with-animation \" data-delay=\"0\" height=\"100%\" width=\"100%\" data-animation=\"fade-in\" src=\"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/juridicus-examensrelevant.jpg\" alt=\"\" \/><\/a>[vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n<table width=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">Kandidat<\/td>\n<td width=\"76\">1<\/td>\n<td width=\"76\">2<\/td>\n<td width=\"76\">3<\/td>\n<td width=\"76\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Vorpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">69<\/td>\n<td width=\"76\">63<\/td>\n<td width=\"76\">39<\/td>\n<td width=\"76\">27<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Zivilrecht<\/td>\n<td width=\"76\">15<\/td>\n<td width=\"76\">12<\/td>\n<td width=\"76\">11<\/td>\n<td width=\"76\">12<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Strafrecht<\/td>\n<td width=\"76\">15<\/td>\n<td width=\"76\">15<\/td>\n<td width=\"76\">8<\/td>\n<td width=\"76\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\u00d6ffentliches Recht<\/td>\n<td width=\"76\">15<\/td>\n<td width=\"76\">12<\/td>\n<td width=\"76\">8<\/td>\n<td width=\"76\">9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">114<\/td>\n<td width=\"76\">103<\/td>\n<td width=\"76\">67<\/td>\n<td width=\"76\">54<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote<\/td>\n<td width=\"76\">12,61<\/td>\n<td width=\"76\">11,5<\/td>\n<td width=\"76\">7,5<\/td>\n<td width=\"76\">6,0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>T\u00f6tung auf Verlangen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen: <\/strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/216.html\">\u00a7216 StGB<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/223.html\">\u00a7223 StGB<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/224.html\">\u00a7224 StGB<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/227.html\">\u00a7227 StGB<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch: <\/span><\/strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Frage-Antwort,\u00a0h\u00e4lt Reihenfolge ein, hart am Fall, Fragestellung klar<\/span><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Pr\u00fcfung teilte uns der Pr\u00fcfer zun\u00e4chst einen Sachverhalt aus, den er laut vorlas.<br \/>\nAnschlie\u00dfend begann er die Pr\u00fcfung mit einem Brainstorming. Dabei sollte einer der Pr\u00fcflinge alle in Frage kommenden Straftatbest\u00e4nde aufz\u00e4hlen. Da er anscheinend noch nicht ganz zufrieden war, fragte er danach, ob noch jemand was zu erg\u00e4nzen habe.<br \/>\nDer Sachverhalt war wie versprochen skurril. A hat eine Beziehung mit M. M ist masochistisch veranlagt. Dabei steht M insbesondere darauf, dass er bis zur Bewusstlosigkeit gew\u00fcrgt wird. A ist jedoch skeptisch, was diese Praxis anbelangt. Nach einigem Zureden durch M willigt A allerdings ein diese Praktiken mit M durchzuf\u00fchren.<br \/>\nSodann w\u00fcrgte A den M bis dieser bewusstlos wurde und h\u00f6rte schlie\u00dflich auf. M reichte dies allerdings nicht aus und er meinte, dass die extremste Steigerung seines Lustgef\u00fchls durch die Strangulation bis zum Tod erreicht w\u00fcrde. Dies lehnte A allerdings ab. Um A davon zu \u00fcberzeugen, dass er es ernst meint, setzte M ein Testament auf, in dem er A als Alleinerbe einsetzte. Zudem redete er weiter auf A ein.<br \/>\nBei einem erneuten Spiel der Atemkontrolle w\u00fcrgte A den M wiederholt bis zur Bewusstlosigkeit und h\u00f6rte dann auf. M der schlie\u00dfloch doch wieder erwachte, war sehr erbost, dass A ihn nicht bis zum Tod gew\u00fcrgt hatte.<br \/>\nIm darauffolgenden Atemkontrollspiel umwickelte A den M mit mehreren Lagen Klebeband \u00fcber Mund und Nase. A wollte den M dadurch wieder zur Bewusstlosigkeit bringen, aber nicht t\u00f6ten. Als M schlie\u00dflich besinnungslos in sich zusammenfiel, entfernte A das Klebeband wieder. F\u00fcr M kam jedoch jede Hilfe zu sp\u00e4t.<br \/>\nStrafbarkeit des A?<br \/>\nWir begannen nach dem Brainstorming die Pr\u00fcfung mit dem <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/216.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 216 StGB: T&ouml;tung auf Verlangen\">\u00a7 216 StGB<\/a>. Hierbei wollte der Pr\u00fcfer zun\u00e4chst den Paragraphen dogmatisch eingeordnet haben (Privilegierung, Sperrwirkung). Sodann wurde \u00a7 216 sehr detailliert gepr\u00fcft, wobei der Pr\u00fcfer auch Wert darauflegte, am Gesetz zu arbeiten und alle in Frage kommenden Pr\u00fcfungspunkte sauber abzuarbeiten. Probleme waren hier das ausdr\u00fcckliche und ernste Verlangen, die Frage nach einer die objektive Zurechnung ausschlie\u00dfende bewusste Selbstgef\u00e4hrdung und der Vorsatz. Der Vorsatz wurde schlie\u00dflich abgelehnt und es wurde Fahrl\u00e4ssigkeit angenommen. Sodann begann die Pr\u00fcfung der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/223.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 223 StGB: K&ouml;rperverletzung\">\u00a7\u00a7 223<\/a> I, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/224.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 224 StGB: Gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzung\">224 Nr. 2<\/a>,5 StGB. Diese wurden auch relativ schnell als einschl\u00e4gig bejaht. Schlie\u00dflich folgte die Pr\u00fcfung der K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge. Auch diese wurde bejaht.<br \/>\nDer Pr\u00fcfer fragte sodann, welchen Strafrahmen denn die einzelnen Tatbest\u00e4nde vors\u00e4hen. Dabei wollte er darauf hinaus, dass die K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge als Erfolgsqualifikation ein Verbrechen ist, der Strafrahmen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/216.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 216 StGB: T&ouml;tung auf Verlangen\">\u00a7 216 StGB<\/a> jedoch deutlich geringer ist. Er fragte uns diesbez\u00fcglich, was wir denn im vorliegenden Fall unserem Mandanten raten w\u00fcrden und ob dies denn so stimmen k\u00f6nne. Aufgrund des geringeren Strafrahmens schien es ratsam f\u00fcr A zu behaupten, er habe den M nicht nur verletzten, sondern sogar t\u00f6ten wollen. In Zusammenhang mit diesem widerspr\u00fcchlichen Ergebnis freute sich der Pr\u00fcfer sichtlich dar\u00fcber, dass einer der Pr\u00fcflinge die M\u00f6glichkeit einer Analogie ansprach. Da die Analogie nicht zu Lasten des T\u00e4ters ging, verstie\u00df sie auch nicht gegen das Analogieverbot. Es wurde noch problematisiert, ob man den Strafrahmen des \u00a7 216 oder die Sperrwirkung analog anwenden sollte.<br \/>\nDamit endete die Pr\u00fcfung. Zwar meinte der Pr\u00fcfer, er h\u00e4tte noch einige Fragen und w\u00fcrde gerne weitermachen, die Zeit sei jedoch zu Ende. StPO wurde nicht gepr\u00fcft.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Hessen im Februar 2018. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. 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