{"id":12556,"date":"2018-05-07T14:00:10","date_gmt":"2018-05-07T12:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/examensrelevant.de\/?p=12556"},"modified":"2019-06-30T12:17:41","modified_gmt":"2019-06-30T10:17:41","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-mecklenburg-vorpommern-vom-februar-2017-3-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-mecklenburg-vorpommern-vom-februar-2017-3-2\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; Mecklenburg-Vorpommern vom M\u00e4rz 2018"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem Ersten Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Mecklenburg-Vorpommern vom M\u00e4rz 2018<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<a href=\"http:\/\/juridicus.de\" target=\"_blank\" class=\"\"><img decoding=\"async\" class=\"img-with-animation \" data-delay=\"0\" height=\"100%\" width=\"100%\" data-animation=\"fade-in\" src=\"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/juridicus-examensrelevant.jpg\" alt=\"\" \/><\/a>[vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: \u00a0\u00d6ffentliches Recht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsstoff:<\/strong>\u00a0protokollfest<\/p>\n<p><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht, Pr\u00fcfung von Zul\u00e4ssigkeit und Begr\u00fcndetheit<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen:\u00a0 <\/strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/93.html\">\u00a793 GG<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/PolG\/52.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/13.html\">\u00a713 BVerfGG<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/PolG\/52.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/90.html\">\u00a790 BVerfGG<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/PolG\/52.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/18.html\">\u00a718 AEUV<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/PolG\/52.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\">\u00a71 GG<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/span><\/strong>Frage-Antwort Diskussion,\u00a0l\u00e4sst Meldungen zu,\u00a0Intensivbefragung Einzelner,\u00a0Fragestellung klar<span style=\"line-height: 1.5;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00fcfung im \u00d6ffentlichen Recht war die letzte der drei m\u00fcndlichen Teilpr\u00fcfungen.<br \/>\nDer Pr\u00fcfer nahm Bezug auf einen Abschnitt des im Zivilrechtsteil ausgeteilten Sachverhaltes.<br \/>\nIm Wesentlichen ging es darum, dass A an die GmbH des B 4000 \u20ac \u00fcberweisen l\u00e4sst unter der Bedingung, dass B das Geld abhebt und an den A bar auszahlt. Die \u00dcberweisung erfolgt, aber B erkl\u00e4rt, dass die GmbH in Zahlungsschwierigkeiten stecke und er das Geld nur in Raten zur\u00fcckzahlen k\u00f6nne. A erstattet Strafanzeige wegen Betrugs und Unterschlagung, das Verfahren wird seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt. A stellt daraufhin erbost B auf seiner Facebook-Seite als Betr\u00fcger und Dieb dar unter Nennung dessen vollen Namens und f\u00fchrt aus, dass die Ermittlungsbeh\u00f6rden nicht in der Lage seien, sein Geld zu beschaffen. A begehrt von B Zahlung der 4000 \u20ac. B begehrt wegen des Facebook-Eintrages Unterlassung und 15000 \u20ac Entsch\u00e4digung und erkl\u00e4rt die Aufrechnung hinsichtlich der 4000 \u20ac. Wie ist die Rechtslage?<br \/>\nDer Pr\u00fcfer unterstellte, B habe bis zum BGH geklagt und hinsichtlich der Entsch\u00e4digung in allen Instanzen verloren. Welche M\u00f6glichkeiten bleiben B noch?<br \/>\nLetztendlich lief es auf die Pr\u00fcfung einer Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht hinaus, und zwar auf eine Urteilsverfassungsbeschwerde, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/93.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 93 GG\">Art. 93 Nr. 4a GG<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/13.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 13 BVerfGG\">\u00a7\u00a7 13 Nr. 8a<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/90.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 90 BVerfGG\">90<\/a> ff. BVerfGG.<br \/>\nDer Pr\u00fcfer lie\u00df zun\u00e4chst ausf\u00fchrlich die Zul\u00e4ssigkeit pr\u00fcfen und achtete sehr auf die\u00a0Nennung der korrekten Paragraphen des BVerfGG und der Artikel des Grundgesetzes sowie auf einen gut ausformulierten Obersatz. Es lief darauf hinaus, dass B in seinem Allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrecht (bzw. in seinem Grundrecht auf Allgemeine Handlungsfreiheit) verletzt sein k\u00f6nnte, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 GG<\/a>.<br \/>\nIm Rahmen der Begr\u00fcndetheit fragte der Pr\u00fcfer Definitionen ab, zum Beispiel die des Eingriffs, und pr\u00fcfte allgemeines Wissen zum Grundgesetz und den Grundrechten. So wollte er wissen, welche Funktion die Grundrechte haben (Abwehrrechte gegen den Staat, Schutzfunktion) und f\u00fcr wen Grundrechte allgemein gelten (nat\u00fcrliche Personen und juristische Personen des Privatrechts, sofern Grundrechte wesensm\u00e4\u00dfig auf sie anwendbar sind). Dann fragte er, ob und inwieweit Personen des \u00f6ffentlichen Rechts auch den Schutz der Grundrechte genie\u00dfen(normalerweise nicht, da Grundrechte Abwehrrechte gegen den Staat sind, aber Ausnahmen gelten f\u00fcr Universit\u00e4ten, Schulen, Religionsgemeinschaften, vgl. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/4.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 4 GG\">Art. 4<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/5.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 5 GG\">5<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/7.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 7 GG\">7 GG<\/a>). Anschlie\u00dfend wollte er wissen, ob Grundrechtsschutz trotz <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/19.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 19 GG\">Art. 19 Abs. 3 GG<\/a> auch denkbar sei f\u00fcr ausl\u00e4ndische juristische Personen des Privatrechts und wieso. Hier kam es auf die Vereinbarkeit von Grundgesetz und Europarecht an, insbesondere auf das Diskriminierungsverbot aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/18.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 18 AEUV: (ex-Artikel 12 EGV)\">Art. 18 AEUV<\/a>.<br \/>\nBei der Pr\u00fcfung des Eingriffs wollte er wissen, inwieweit ein Akt der \u00f6ffentlichen Gewalt vorliege. Schlie\u00dflich sei A, von dem B Entsch\u00e4digung verlange, kein Hoheitstr\u00e4ger, und ob B auch einen Eingriff vornehmen k\u00f6nne. Hier wurde lebhaft diskutiert gemeinsam mit allen Pr\u00fcflingen. Der Pr\u00fcfer hielt unterschiedliche Auffassungen f\u00fcr vertretbar, sofern sie mit fundierten Argumenten unterf\u00fcttert werden konnten. Letztlich lief es hinaus auf die mittelbare Drittwirkung der Grundrechte auch auf das Privatrecht, insbesondere bei unbestimmten Rechtsbegriffen wie Treu und Glauben etc. (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/242.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 242 BGB: Leistung nach Treu und Glauben\">\u00a7 242 BGB<\/a>), und dass der Eingriff m\u00f6glicherweise darin liegen k\u00f6nnte, dass die Richter in ihrem Urteil die Ausstrahlung der Grundrechte verkannt oder nicht hinreichend gew\u00fcrdigt haben, wobei der Pr\u00fcfer an dieser Stelle anmerkte, den Terminus &#8222;Ausstrahlung&#8220; nicht sonderlich in diesem Zusammenhang zu m\u00f6gen, denn Grundrechte seien nicht radioaktiv. Abschlie\u00dfend wollte der Pr\u00fcfer wissen, woraus sich die Schutzfunktion der Grundrechte ergebe (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/1.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 1 GG\">Art. 1 Abs. 1 S. 2 GG<\/a>).<br \/>\nDer Fall konnte aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht zu Ende gel\u00f6st werden.<br \/>\nW\u00e4hrend der gesamten Pr\u00fcfung wirkte der Pr\u00fcfer g\u00fctig und sehr geduldig. Er formulierte Fragen solange um, bis man sie verstanden hatte. Wusste man nicht weiter, versuchte er zu helfen. Funktionierte das nicht, gab er die Frage offen f\u00fcr die anderen Pr\u00fcflinge frei, die sich dann \u00e4u\u00dfern konnten. Der Pr\u00fcfer lie\u00df auch lebhafte Diskussionen zu, sodass dieser Pr\u00fcfungsabschnitt sehr kurzweilig erschien und die Pr\u00fcflinge \u00fcberrascht waren, als die Zeit schon um war.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei dem nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem Ersten Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Mecklenburg-Vorpommern vom M\u00e4rz 2018. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. 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