{"id":13555,"date":"2019-02-12T12:00:52","date_gmt":"2019-02-12T11:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=13555"},"modified":"2021-04-19T09:57:30","modified_gmt":"2021-04-19T07:57:30","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-saarland-vom-dezember-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-saarland-vom-dezember-2018\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; Saarland vom Dezember 2018"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung im Saarland im Dezember 2018<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n<table width=\"340\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">Kandidat<\/td>\n<td width=\"76\">1<\/td>\n<td width=\"76\">2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Vorpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">4,75<\/td>\n<td width=\"76\">5,58<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Zivilrecht<\/td>\n<td width=\"76\">7<\/td>\n<td width=\"76\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Strafrecht<\/td>\n<td width=\"76\">6<\/td>\n<td width=\"76\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\u00d6ffentliches Recht<\/td>\n<td width=\"76\">6<\/td>\n<td width=\"76\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">5,2<\/td>\n<td width=\"76\">6,88<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote<\/td>\n<td width=\"76\">5,2<\/td>\n<td width=\"76\">6,88<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>Eingriffe in den Bahnverkehr; N\u00f6tigung; Probleme bei Rechtfertigungsgr\u00fcnden und &#8218;Schuldf\u00e4higkeit;\u00a0Festnahmerecht; Einstellungsgr\u00fcnde; Durchsuchungsbeschluss<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen:\u00a0<\/strong><u><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/315.html\">\u00a7315 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/32.html\">\u00a732 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/127.html\">\u00a7127 StPO<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/240.html\">\u00a7240 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/153.html\">\u00a7153 StPO<\/a><\/u><u><\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/span><\/strong>Frage-Antwort,\u00a0h\u00e4lt Reihenfolge ein, l\u00e4sst Meldungen zu,\u00a0Fragestellung klar<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begannen mit der Strafrechtspr\u00fcfung. Der Pr\u00fcfer erz\u00e4hlte folgenden Fall:<br \/>\nDer J (7 Jahre alt) steht mit seiner Schwester S und deren Freundin F (beide 14 Jahre) am Bahnsteig. S und F sagten zu J: \u201eIch wette, dass du dich nicht traust, die Parf\u00fcmflasche auf den n\u00e4chsten einfahrenden Zug zu schmei\u00dfen!\u201c Die Kinder hatten nicht vor in den Zug einzusteigen. J l\u00e4sst sich auf die Mutprobe ein und wirft die kleine Parf\u00fcmflasche auf die Windschutzscheibe des einfahrenden Zuges der Deutschen Bahn. Ein Schaden ist nicht entstanden. Als der Zug h\u00e4lt, steigt der Zugf\u00fchrer (Z) aus, packt den J an der Jacke und zieht ihn mit in den Zug. \u00dcber Funk informiert Z die Polizei, sodass diese den J an der n\u00e4chsten Station in Empfang nehmen k\u00f6nnen. Pr\u00fcfen Sie die Strafbarkeit der Beteiligten.<br \/>\nWir begannen mit der Strafbarkeit des J und pr\u00fcften <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/315.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 315 StGB: Gef&auml;hrliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr\">\u00a7 315 I Nr. 4 StGB<\/a>. Eine lange Diskussion erfolgte darin, ob nun eine abstrakte oder konkrete Gefahr vorliegt. Hier wollte der Pr\u00fcfer\u00a0Definitionen und Argumente h\u00f6ren. Offensichtlich mangelte es aber an der Schuldf\u00e4higkeit des J, da dieser erst 7 Jahre alt war.<br \/>\nAnschlie\u00dfend folgte die Pr\u00fcfung des Z. Eine K\u00f6rperverletzung an J haben wir z\u00fcgig abgelehnt und kamen zu \u00a7 239 I und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/240.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 240 StGB: N&ouml;tigung\">\u00a7 240 I StGB<\/a>. Der objektive Tatbestand wurde ohne richtige Pr\u00fcfung schnell bejaht, da der Pr\u00fcfer sofort zu den wesentlichen Problemen des Falles kommen wollte. Als Rechtfertigungsgrund wurde <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/32.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 32 StGB: Notwehr\">\u00a7 32 StGB<\/a> gepr\u00fcft, aber abgelehnt. Der Pr\u00fcfer fragte, wie denn dem Z noch zu helfen sei, damit dieser sich nicht strafbar macht. Er wollte dabei auf das Festnahmerecht nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/127.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 127 StPO: Vorl&auml;ufige Festnahme\">\u00a7 127 StPO<\/a> hinaus. Problematisch ist, ob vom Wortlaut her eine \u201eTat\u201c vorliegt. Wir diskutierten, ob Z h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen, dass J schuldunf\u00e4hig war und was der Tatbegriff ist. Hierbei ging es dem Pr\u00fcfer weder um richtig noch falsch, sondern um gute Argumente. (Dies war ein Fall aus seiner anwaltlichen T\u00e4tigkeit)<br \/>\nIn gebotener K\u00fcrze kamen wir noch auf die Strafbarkeit der S und F zu sprechen, welche sich wegen Anstiftung zu <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/315.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 315 StGB: Gef&auml;hrliche Eingriffe in den Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr\">\u00a7 315 I StGB<\/a> strafbar gemacht haben k\u00f6nnten. Da J den Tatbestand des Delikts verwirklicht hatte, lag eine Anstiftung vor. Es kommt dabei nicht darauf an, dass J schuldunf\u00e4hig war.<br \/>\nIm Anschluss an den Fall folgte der StPO-Teil. Der Pr\u00fcfer fragte, was der Staatsanwalt tun kann, wenn er die Bestrafung des Z verhindern m\u00f6chte (Die Rechtsprechung hat n\u00e4mlich das Festnahmerecht des Z im oben erl\u00e4uterten Fall abgelehnt, sodass sich Z strafbar gemacht hat). In Betracht kommt eine Einstellung des Verfahrens aus Opportunit\u00e4tsgr\u00fcnden, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/153.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 153 StPO: Absehen von der Verfolgung bei Geringf&uuml;gigkeit\">\u00a7 153 StPO<\/a>. Weiter wurde diskutiert, ob \u00fcberhaupt ein \u00f6ffentliches Interesse vorgelegen hat, denn f\u00fcr die Deutsche Bahn liegt sonst ein potenzieller Imageschaden vor. Andererseits war ein Kind beteiligt und es darf zu keiner Nachahmung von anderen Kindern kommen.<br \/>\nZuletzt wurde uns ein Blatt ausgeteilt von einem Durchsuchungsbeschluss. Hier ging es um eine\u00a0Wohnungsdurchsuchung wegen Versto\u00df gegen das BtMG. Der Pr\u00fcfer fragte, was uns an diesem Beschluss auff\u00e4llt. Formal war der Beschluss vom 15.6.18 (unsere Pr\u00fcfung war am 13.12.18), sodass es um die Frage ging, wie lange so ein Beschluss g\u00fcltig ist. Die Antwort lautet 6 Monate. Weiterhin gab es keine richtige Begr\u00fcndung, sodass wir Argumente hervorbringen sollten, ob dies f\u00fcr einen wirksamen Beschluss ausreicht. Im Ergebnis werden allerdings an die Begr\u00fcndung keine hohen Anforderungen gestellt.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung im Saarland im Dezember 2018. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243;&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1755,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2024,2010,55,1715],"tags":[],"class_list":["post-13555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-staatsexamen","category-protokolle","category-magazin","category-strafrecht-rechtsgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1755"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13555"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15804,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13555\/revisions\/15804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}