{"id":14420,"date":"2019-12-03T12:00:47","date_gmt":"2019-12-03T11:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=14420"},"modified":"2021-04-15T10:57:30","modified_gmt":"2021-04-15T08:57:30","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-oktober-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-oktober-2019\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; NRW vom Oktober 2019"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im Oktober 2019<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n<table width=\"265\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">Kandidat<\/td>\n<td width=\"76\">1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Vorpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Zivilrecht<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Strafrecht<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\u00d6ffentliches Recht<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote<\/td>\n<td width=\"76\">13<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>Abgrenzung, Raub, r\u00e4uberische Erpressung , Mordmerkmale und Hemmschwellen,\u00a0versuchte Erfolgsqualifikation<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen:<\/strong><u>\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\">\u00a7249 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/316.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/250.html\">\u00a7250 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/316.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/211.html\">\u00a7211 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/316.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/224.html\">\u00a7224 StGB<\/a><\/u><u><\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/span><\/strong>Frage-Antwort Diskussion,\u00a0h\u00e4lt Reihenfolge ein,\u00a0Intensivbefragung Einzelner, verfolgt Zwischenthemen,\u00a0hart am Fall Fragestellung klar<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00fcfung begann damit, dass der Pr\u00fcfer einen Fall schilderte:<br \/>\nO ist zu Geld gekommen und wedelt mit 10.000\u20ac in einer Kneipe herum, sodass dies jeder sehen kann. Als O die Kneipe verl\u00e4sst, folgt ihm der T. O bemerkt den T und geht immer schneller. In einer dunklen Park Ecke holt T den O ein und schl\u00e4gt diesem mit einer 1kg schweren Taschenlampe auf den Kopf, sodass O zu Boden geht. T nimmt sich die 10.000 \u20ac und geht. Es ist 22 Uhr und sehr kalt. T dreht sich noch einmal um, bemerkt die Umst\u00e4nde und sieht den O bewusstlos in der Ecke liegen. Dies ist dem T egal und er l\u00e4uft davon. Am n\u00e4chsten Morgen wird O von Passanten v\u00f6llig unterk\u00fchlt aufgefunden. H\u00e4tte er noch zwei weitere Stunden dort gelegen, w\u00e4re er gestorben oder ihm w\u00e4ren zumindest die Finger und Zehen abgefroren.<br \/>\nDer erste Pr\u00fcfling sollte den Fall noch einmal zusammenfassen und dann in zwei Tatkomplexe gliedern und den Tatkomplexen Namen geben (Schlag auf den Kopf, Weggehen des T).<br \/>\nSodann begannen wir mit der Pr\u00fcfung des schweren Raubes gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/249.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 249 StGB: Raub\">\u00a7\u00a7 249<\/a> I, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/250.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 250 StGB: Schwerer Raub\">250<\/a> II Nr. 1 StGB. Dabei wollte er wissen in welchem Verh\u00e4ltnis \u00a7 250 I zu <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/250.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 250 StGB: Schwerer Raub\">\u00a7 250 II StGB<\/a> steht und wann ein gef\u00e4hrliches Werkzeug vorliegt. Danach wurde er\u00f6rtert, ob eine fremde bewegliche Sache weggenommen wurde, wobei der Diebstahl von der r\u00e4uberischen Erpressung abzugrenzen war. Hierbei wollte er noch wissen warum man welcher Ansicht folgt und was denn f\u00fcr die Praxis wohl die vorzugsw\u00fcrdige Ansicht w\u00e4re. Letztlich kamen wir noch auf die Finalit\u00e4t und Absicht der rechtswidrigen Zueignung zu sprechen, wobei er die einschl\u00e4gigen Definitionen h\u00f6ren wollte.<br \/>\nDanach pr\u00fcften wir eine gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/223.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 223 StGB: K&ouml;rperverletzung\">\u00a7\u00a7 223<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/224.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 224 StGB: Gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzung\">224<\/a> I Nr. 2, 3, 5 StGB. Wir bejahten die Nr. 2, lehnten die Nr. 3 mangels eins planvollen Ausnutzens des \u00dcberraschungsmomentes ab und diskutierten den Streit bez\u00fcglich des Gef\u00e4hrlichkeitsgrades bez\u00fcglich der Nr. 5. Obwohl wir alle, inklusive des Pr\u00fcfers, eine abstrakte Lebensgefahr ablehnten, wollte er, dass sich einer einmal in die Lage des Staatsanwaltes versetzt und aus dieser Perspektive Argumente f\u00fcr eine solche Gefahr im konkreten Fall anf\u00fchrt. Dabei wurde dann auf die schwere des Gegenstandes und den gezielten Schlag Richtung Kopf abgestellt, was den Pr\u00fcfer zufrieden stellte. Zum Schluss des ersten Teils wurde dann noch nach dem Vorsatz gefragt, wobei festgehalten wurde, dass man f\u00fcr den Vorsatz f\u00fcr die abstrakte Lebensgefahr nur die Umst\u00e4nde, aus denen sich die Gef\u00e4hrlichkeit ergibt kennen muss.<br \/>\nIm zweiten Tatkomlpex pr\u00fcften wir <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/212.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 212 StGB: Totschlag\">\u00a7\u00a7 212<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/211.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 211 StGB: Mord\">211<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/13.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 13 StGB: Begehen durch Unterlassen\">13<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/22.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 22 StGB: Begriffsbestimmung\">22<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/23.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 23 StGB: Strafbarkeit des Versuchs\">23 StGB<\/a> und diskutierten verschiedene\u00a0Mordmerkmale wie u.a. Habgier. Wir lehnten diese jedoch alle ab, da er diese Motive maximal beim Schlag auf den Kopf h\u00e4tte verwirklichen k\u00f6nnen, aber nicht bei der in Frage stehenden Handlung, dem Unterlassen. Im Tatentschluss musste dann noch auf die Hemmschwellentheorie eingegangen werden. Auch sollte noch ein R\u00fccktritt angepr\u00fcft werden, wobei man <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/24.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 24 StGB: R&uuml;cktritt\">\u00a7 24 I 2 StGB<\/a> sehen musste, da vorliegend die Passanten den O retteten, die Tat also ohne ein Zutun des T verhindert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da die Zeit fast rum war, gingen wir nur noch kurz darauf ein, dass <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/226.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 226 StGB: Schwere K&ouml;rperverletzung\">\u00a7 226 StGB<\/a> eine Erfolgsqualifikation sei, dass \u00a7 226 I und nicht II StGB einschl\u00e4gig, sei weil der T nur dolus eventualis hatte und dass eine versuchte Erfolgsqualifikation einschl\u00e4gig sei. Zudem wollte er die \u00a7\u00a7 11 II und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/18.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 18 StGB: Schwerere Strafe bei besonderen Tatfolgen\">18 StGB<\/a> in dem Zusammenhang h\u00f6ren.<br \/>\nDann war die Pr\u00fcfung auch schon zu ende. Es wurde streng in der Reihenfolge gepr\u00fcft und keine Frage weitergegeben. Das Gespr\u00e4ch war f\u00fcr alle sehr angenehm. Der Pr\u00fcfer ist stets gut gelaunt und versucht jeden durch ein Nachfragen und Umformulieren zur besten Leistung zu verhelfen.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im Oktober 2019. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. 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