{"id":15176,"date":"2020-12-24T12:00:32","date_gmt":"2020-12-24T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=15176"},"modified":"2021-04-14T09:37:49","modified_gmt":"2021-04-14T07:37:49","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-nrw-vom-november-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-nrw-vom-november-2020\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 2. Staatsexamen &#8211; NRW vom November 2020"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem zweiten Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im November 2020<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<table width=\"416\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">Kandidat<\/td>\n<td width=\"76\">1<\/td>\n<td width=\"76\">2<\/td>\n<td width=\"76\">3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Vorpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">4<\/td>\n<td width=\"76\">8,5<\/td>\n<td width=\"76\">4,25<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Aktenvortrag<\/td>\n<td width=\"76\">3<\/td>\n<td width=\"76\">7<\/td>\n<td width=\"76\">5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch<\/td>\n<td width=\"76\">9<\/td>\n<td width=\"76\">11<\/td>\n<td width=\"76\">10<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote<\/td>\n<td width=\"76\">5,4<\/td>\n<td width=\"76\">9,1<\/td>\n<td width=\"76\">5,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote (1. Examen)<\/td>\n<td width=\"76\">6,3<\/td>\n<td width=\"76\"><\/td>\n<td width=\"76\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:<\/strong>\u00a0Hinreichender Tatverdacht,\u00a0Verfahrensstadien<\/p>\n<p>Beweisverwertungsverbote,\u00a0Diebstahl<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen: <\/strong><u><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/242.html\">\u00a7242 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/253.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/170.html\">\u00a7170 StPO<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/253.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\">\u00a72 GG<\/a><\/u><u><\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/span><\/strong>Frage-Antwort-Diskussion,\u00a0Intensivbefragung Einzelner, verfolgt Zwischenthemen<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00fcferin ist Leitende Oberstaatsanw\u00e4ltin bei der Generalstaatsanwaltschaft K\u00f6ln. Hier ist sie als st\u00e4ndige Vertreterin des Generalstaatsanwalts t\u00e4tig.<br \/>\nSie war auch die Vorsitzende der Kommission und f\u00fchrte entsprechend das Vorgespr\u00e4ch mit uns. Hier machte sie klar, dass die Vornoten f\u00fcr sie nicht z\u00e4hlen w\u00fcrden und nur die heutige Leistung z\u00e4hlen w\u00fcrde.<br \/>\nDie Pr\u00fcferin achtet besonders auf Pr\u00e4zision und normative Ankn\u00fcpfungspunkte. Nach so gut wie jeder Aussage fragte sie, wo das denn im Gesetz st\u00fcnde.<br \/>\nZu Beginn der Pr\u00fcfung bildete die Pr\u00fcferin einen Fall:<br \/>\n&#8222;A und B arbeiten in einem kleinen Blumenladen. Dieser Blumenladen besteht aus einem Verkaufsraum sowie einem davon abgetrennten, kleinen B\u00fcroraum.<br \/>\nIn diesem B\u00fcroraum befindet sich in einer Ecke eine Wechselgeldmappe. In dieser Wechselgeldmappe tauchen immer wieder Fehlbest\u00e4nde auf. Der Arbeitgeber fragt sich daher, wie er den T\u00e4ter feststellen k\u00f6nnte. Er \u00fcberlegt zun\u00e4chst, A und B, die er schon verd\u00e4chtigt, selbst zu \u00fcberwachen, entscheidet sich jedoch aufgrund zu vieler Termine und zeitlicher Engp\u00e4sse dagegen. Stattdessen montiert er in diesem B\u00fcroraum eine versteckte \u00dcberwachsungskamera. Diese zeichnet dann auch auf, wie A und B Wechselgeld stehlen.<br \/>\nIn der Folge erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in 5 F\u00e4llen.&#8220;<br \/>\nSodann fragte sie uns: &#8222;Sie sind jetzt der zust\u00e4ndige Richter. Was machen Sie zuerst?&#8220;<br \/>\nWir \u00fcberlegten zun\u00e4chst, dass der hinreichende Tatverdacht gepr\u00fcft werden m\u00fcsse, ein Termin bestimmt und vorbereitend Zeugen beweist und sonstige Beweismittel herbeigeschafft werden m\u00fcssten. Richtige Antwort w\u00e4re hier gewesen: Dem Angeschuldigten die Anklageschrift zur Stellungnahme zusenden.<br \/>\nSie bildete den Fall dann so fort, dass der Richter die Er\u00f6ffnung des Hauptverfahrens abgelehnt hat. Sie fragte nun, was die StA dagegen tun k\u00f6nne.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden dann noch die verschiedenen Verfahrensstadien, Ermittlungs-, Zwischen-, Haupt-, Rechtsmittel-, Vollstreckungsverfahren er\u00f6rtert.<br \/>\nDie Pr\u00fcferin fragte dann, warum der Richter denn die Er\u00f6ffnung des Hauptverfahrens abgelehnt haben k\u00f6nnte. Wir kamen hier dazu, dass unter Umst\u00e4nden ein Beweisverwertungsverbot hinsichtlich der heimlich erfolgten Videoaufnahmen vorliegen k\u00f6nnte. Wir diskutierten dann dar\u00fcber, was f\u00fcr und was gegen das Vorliegen eines Beweisverwertungsverbotes sprechen k\u00f6nnte. Wir w\u00e4gten Argumente ab, die daf\u00fcrsprachen und die dagegen sprachen. F\u00fcr ein Beweisverwertungsverbot f\u00fchrten wir vor allem in das Feld, dass die Verwertung der\u00a0Videoaufnahmen einen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Eingriff in die Privatsph\u00e4re von A und von B darstellen k\u00f6nnte. Hierbei w\u00e4gten wir jedoch ab und sagten, dass die vorliegenden Aufnahmen weder der sog.\u00a0Intimsph\u00e4re, noch der sog. Privatsph\u00e4re, sondern eher der sog. Sozialsph\u00e4re zu zu ordnen w\u00e4ren. Daher seien hier keine so hohen H\u00fcrden gesetzt, wie dies bei den anderen Sph\u00e4ren der Fall w\u00e4re und eine Verwertung sei deshalb problemloser m\u00f6glich.<br \/>\nAm Ende der Pr\u00fcfung sollte noch jeder Pr\u00fcfling ausf\u00fchren, ob er im vorliegenden Fall f\u00fcr das Vorliegen eines BVV oder gegen das Vorliegen eines BVV sei und das kurz begr\u00fcnden (mit Blick auf die Uhr). Hierbei f\u00fchrten wir aus, dass auch das Interesse des Arbeitgebers in die Waagschale zu legen sei, eine pr\u00e4judizierende Wirkung des Strafurteils zu haben, um die Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses besser begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. F\u00fcr das Vorliegen sprach, dass die Aufnahmen ihrerseits durch das Vorliegen einer Straftat (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/201.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 201 StGB: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes\">\u00a7 201 StGB<\/a>) erlangt worden sein k\u00f6nnten.<br \/>\nDann war die Pr\u00fcfung auch schon vorbei. Viel Erfolg euch!<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem zweiten Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im November 2020. 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