{"id":15426,"date":"2021-04-20T12:00:15","date_gmt":"2021-04-20T10:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=15426"},"modified":"2021-04-14T12:30:26","modified_gmt":"2021-04-14T10:30:26","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-maerz-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-maerz-2021\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; NRW vom M\u00e4rz 2021"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im M\u00e4rz 2021<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: \u00d6ffentliches Recht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n<table width=\"491\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">Kandidat<\/td>\n<td width=\"76\">1<\/td>\n<td width=\"76\">2<\/td>\n<td width=\"76\">3<\/td>\n<td width=\"76\">4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Vorpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">60<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Zivilrecht<\/td>\n<td width=\"76\">11<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Strafrecht<\/td>\n<td width=\"76\">11<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\u00d6ffentliches Recht<\/td>\n<td width=\"76\">11<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endpunkte<\/td>\n<td width=\"76\">105<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<td width=\"76\">&#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">Endnote<\/td>\n<td width=\"76\">10,5<\/td>\n<td width=\"76\">9,5<\/td>\n<td width=\"76\">6,3<\/td>\n<td width=\"76\">5,7<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen:\u00a0<\/strong>Anfechtungsklage,\u00a0Ermessen,\u00a0Grundrechte<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StVO\/46.html\">\u00a746 StVO<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/span><\/strong><span style=\"line-height: 1.5;\">\u00a0<\/span>Frage-Antwort-Diskussion,\u00a0verfolgt Zwischenthemen, Fragestellung klar<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00fcfung begann mit der Schilderung des folgenden Falles:<br \/>\nM ist hobbym\u00e4\u00dfiger Motorradfahrer, hat aber auch ein Auto zur Verf\u00fcgung. Von einem Unfall sind ihm empfindliche Narben am Kopf zur\u00fcckgeblieben, die das Tragen eines Motorradhelms unm\u00f6glich machen.<br \/>\nEr stellt bei der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde einen Antrag auf Befreiung von der Helmpflicht. Die Beh\u00f6rde lehnt dies mit Verweis darauf, dass es sich um ein blo\u00dfes Privatvergn\u00fcgen des M handele und diesem ein Auto zur Verf\u00fcgung stehe ab. M fragt sich, wie er gerichtlich vorgehen kann.<br \/>\nDie Fragen wurde, wenn ich mich recht erinnere, nach keiner bestimmten Reihenfolge an die Pr\u00fcflinge gerichtet. Die Pr\u00fcferin fragte zun\u00e4chst wo die Erteilung einer Befreiung von der Helmpflicht geregelt sein k\u00f6nnte. Ihr gen\u00fcgte ein Verweis auf StVG und StVO und sie wies uns auf <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StVO\/46.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 46 StVO: Ausnahmegenehmigungen, Erlaubnisse und Bewohnerparkausweise\">\u00a7 46 Abs. 1 Nr. 5b<\/a> iVm <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StVO\/21a.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 21a StVO: Sicherheitsgurte, Rollstuhl-R&uuml;ckhaltesysteme, Rollstuhlnutzer-R&uuml;ckhaltesysteme, Schutzhelme\">\u00a7 21a StVO<\/a> hin. Sie wollte dann wissen, welche Rechtsnatur die StVO habe. Die Antwort, dass es sich um eine Verordnung handele nutzte die Pr\u00fcferin f\u00fcr R\u00fcckfragen, es ging um die Definition der Verordnung und die Unterscheide zu einem formellen Gesetz.<br \/>\nSodann begannen wir mit der Pr\u00fcfung der gerichtlichen M\u00f6glichkeiten des M und eine Kandidatin begann mit der Erl\u00e4uterung der Zul\u00e4ssigkeitsvoraussetzungen und er Pr\u00fcfung der Er\u00f6ffnung des Verwaltungsrechtswegs. Es gab keine R\u00fcckfragen vonseiten der Pr\u00fcferin.<br \/>\nIm Rahmen der statthaften Klageart schlug eine Kandidatin die Erhebung einer Anfechtungsklage hinsichtlich des Ablehnungsbescheides vor. Die Pr\u00fcferin l\u00f6ste dies elegant indem sie einen anderen Kandidaten nach seiner Meinung fragte, der darauf hinwies, dass mit der Beseitigung des\u00a0Ablehnungsbescheids keine Suspendierung von der Helmpflicht erfolge und dem Klagebegehren des M daher vielmehr die Erhebung einer Anfechtungsklage entspr\u00e4che.<br \/>\nIm \u00fcbrigen gingen wir in der Zul\u00e4ssigkeit nur noch auf die Klagebefugnis und den Klagegegner ein.<br \/>\nDie Pr\u00fcferin nahm hier nochmal Rekurs auf die Er\u00f6rterungen zur StVO und fragte, ob es sich bei der VwGO ebenfalls um eine Verordnung handele. Hier gen\u00fcgte als Antwort ein souver\u00e4nes &#8222;Nein&#8220;, die Pr\u00fcferin erg\u00e4nzte dann, dass es nicht auf die Bezeichnung einer Norm, sondern auf das Verfahren ankommt, in dem sie beschlossen worden ist.<br \/>\nIm Rahmen der Begr\u00fcndetheit setzten wir uns mit der AGL aus der StVO auseinander und stellten fest, dass die Norm Ausnahmen &#8222;im Einzelfall&#8220; vorsieht. Die Norm hat daher keine Tatbestandsvoraussetzungen, sondern stellt die Entscheidung vollst\u00e4ndig in das Ermessen der Beh\u00f6rde. Die Pr\u00fcferin wollte hier abstrakt er\u00f6rtern, welche Arten von Ermessensfehlern es g\u00e4be. Hier gen\u00fcgte die Nennung der Schlagworte &#8222;Ermessensnichtgebrauch&#8220;, &#8222;Ermessensfehlgebrauch&#8220; und &#8222;Ermessens\u00fcberschreitung&#8220; jeweils mit kurzer Erl\u00e4uterung.<br \/>\nWir stellten fest, dass die Beh\u00f6rde ihre Entscheidung begr\u00fcndet hat und dass dies auf die Vornahme einer Abw\u00e4gung hindeutet, sodass kein Ermessensnichtgebrauch vorlag. In Betracht kam aber ein Ermessensfehlgebrauch durch mangelhafte Ber\u00fccksichtigung der Grundrechte des M. In Betracht kam nur die Allgemeine Handlungsfreiheit aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/2.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 2 GG\">Art. 2 Abs. 1 GG<\/a>.<br \/>\nEs ging nun also darum hier tragf\u00e4hige Argumente f\u00fcr und gegen eine gerechtfertigte Einschr\u00e4nkung dieser Freiheit zu finden, was durch die Ber\u00fccksichtigung aller Pr\u00fcflinge recht gut gelang.<br \/>\nZum Schluss wurde der Fall dahingehend abgewandelt, dass M Angeh\u00f6riger der\u00a0Glaubensgemeinschaft der Sikh sei, den ein religi\u00f6ses Gebot zum Tragen eines Turbans &#8211; auch beim Motorradfahren &#8211; verpflichte.<br \/>\nEs ging dann darum auch die Abw\u00e4gung dahingehend abzuwandeln, dass nun die besonders gesch\u00fctzte Religionsfreiheit betroffen war.<br \/>\nNach dem Austausch einiger Gedanken dazu endete die Pr\u00fcfung recht rund.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]\n[vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Bei den nachfolgenden anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten\u00a0Staatsexamen der\u00a0M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in NRW im M\u00e4rz 2021. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0Juridicus.de. Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings. 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