{"id":16909,"date":"2023-04-13T12:00:09","date_gmt":"2023-04-13T10:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=16909"},"modified":"2023-04-06T14:44:02","modified_gmt":"2023-04-06T12:44:02","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-hessen-vom-maerz-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-hessen-vom-maerz-2023\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 2. Staatsexamen &#8211; Hessen vom M\u00e4rz 2023"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<table width=\"265\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Kandidat<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Note staatl. Teil 1. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">8,33<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Gesamtnote 1. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">10,22<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Gesamtnote 2. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">8,07<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pr\u00fcfungsstoff: <\/strong>protokollfest, aktuelle F\u00e4lle<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen: <\/strong>Aktuelle Reformen \/ Themen<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">P<strong>aragraphen: <\/strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306a.html\">\u00a7306a StGB<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/span><\/strong><span style=\"line-height: 1.5;\"> Frage-Antwort, h\u00e4lt Reihenfolge ein, verfolgt Zwischenthemen, Fragestellung klar<\/span><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einleitend wurden wir gefragt, was wir im materiellen oder prozessualen Strafrecht \u00e4ndern wollten, wenn wir die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten. In diesem Kontext ist es sinnvoll, sich in Bezug auf aktuelle rechtspolitische Themen vorzubereiten, sich etwaiger Vor- und Nachteile von Vorhaben oder bereits erfolgten \u00c4nderungen bewusst zu sein sowie im Anschluss Flagge zu bekennen. Hierbei war es nach meinem Empfinden ausreichend, ein kurzes Feedback in eigenen Worten zu geben, ohne dass man das Rad neu erfinden musste. Vereinzelt wurde dies als eine Art Kurzvortrag vorbereitet. Dies kann sinnvoll sein, war aber nicht zwingend erforderlich. Wir gingen auf die Reform von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/184b.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 184b StGB: Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Inhalte\">\u00a7 184b StGB<\/a>, die Erweiterung des Anwendungsbereichs des Strafbefehls, die Wideraufnahme zuungunsten des Verurteilten <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/362.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 362 StPO: Wiederaufnahme zuungunsten des Verurteilten\">\u00a7 362 Nr. 5 StPO<\/a> sowie die M\u00f6glichkeit der Aufzeichnung einer Hauptverhandlung ein.<br \/>\nSodann stiegen wir in die Pr\u00fcfung ein. Es handelte sich dem Ausgang nach um einen Fall aus dem Lehrbuch von Willanzheimer. Aus meiner Sicht lohnt es sich definitiv, sich mit den F\u00e4llen auf die Pr\u00fcfung vorzubereiten. Auch wenn kein Fall daraus abgefragt wird, bereitet es sehr gut auf das m\u00fcndliche Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch und die m\u00f6gliche Denkweise der Pr\u00fcferin vor. Der rote Faden erfolgte nicht strikt an dem Skript des Buches, sondern entwickelte sich durchaus dynamisch nach den Antworten der Pr\u00fcflinge, was definitiv als Chance gesehen werden kann. Der Fall gestaltete sich im Wesentlichen folgenderma\u00dfen: Aus anwaltlicher Sicht sollten wir einen Mandanten beraten, der uns einen Sachverhalt schilderte. Seine Familie betreibe eine B\u00e4ckerei. Er, seine Geschwister und seine Eltern. Neben der Herstellung umfasse dies auch, die Backwaren mit einem Kfz auszufahren. Dazu nutzten sie bis vor kurzem einen alten VW Passat, Diesel (\u00fcber 300.000 km runter, Wert unter 500 Euro). Mit der Zeit beschloss die Familie, sich ein moderneres Fahrzeug zu leasen. Der Mandant schlug der Familie vor, den alten Wagen kosteng\u00fcnstig zu verschrotten. Die Mutter hing jedoch sehr an dem Fahrzeug und wollte dies nicht. Daher entschloss sich der Mandant eines Nachts dazu, den Wagen eigenst\u00e4ndig auf einem familieneigenen Grundst\u00fcck zu verbrennen. Es handelte sich dabei um eine freistehende asphaltierte Fl\u00e4che, bei der andere Geb\u00e4ude, oder Menschen nicht gef\u00e4hrdet w\u00fcrden. Mithilfe eines Streichholzes und Benzin entz\u00fcndete er das Fahrzeug, rief aber dann die Feuerwehr, die den Brand l\u00f6schte. Zun\u00e4chst wurden wir gefragt, was wir noch vom Mandanten wissen wollten. Diese Frage schien halbwegs frei gegeben zu sein, sodass es sich &#8211; auch wenn grunds\u00e4tzlich ein Melden oder eigenst\u00e4ndiges Antwortgeben nicht gew\u00fcnscht war &#8211; anbot in diesem Kontext durch Melden auf sich aufmerksam zu machen. Etwaige Fragestellungen waren dann in Bezug auf die Eigentumsverh\u00e4ltnisse, die r\u00e4umlichen Gegebenheiten, den Zeitpunkt des Eintreffens der Feuerwehr sowie den Zustand des Kfz nach dem L\u00f6schvorgang. Ebenso wurde &#8211; mit Blick auf die Verwertbarkeit etwaiger Angaben &#8211; gefragt, was der Mandant gegen\u00fcber der ebenfalls anwesenden Polizei ge\u00e4u\u00dfert hatte und inwieweit er belehrt wurde. Ich denke, an dieser Stelle kann bereits mit logischem praxisnahem Denken ein gutes Fundament f\u00fcr die Notengebung geschaffen werden, ohne dass man mit rechtlich tiefgr\u00fcndigen Ausf\u00fchrungen gl\u00e4nzen m\u00fcsste. Aber auch Nachfragen wegen eigener Unklarheiten hinsichtlich des Sachverhalts erschienen gewollt, da praxisnah. In die Pr\u00fcfung stiegen wir dann mit den Delikten des 28. Abschnitts an und pr\u00fcften diese. Es schien gewollt, die Tatbest\u00e4nde sauber mit den Definitionen zu pr\u00fcfen. Jeder bekam hinreichend Redezeit und konnte eigene Ausf\u00fchrungen anbringen. Es wurde ein minder schweren Fall i.S.v. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 306 StGB: Brandstiftung\">\u00a7 306 III StGB<\/a> besprochen. In dem Zusammenhang f\u00fchrte die Pr\u00fcfung in den Allgemeinen Teil des StGB, sodass wir \u00fcber die Bildung von Geld- und Freiheitsstrafe und dar\u00fcber sprachen, wann \u00fcberhaupt eine Freiheitsstrafe verh\u00e4ngt wird. Diskutiert wurde dann auch die t\u00e4tige Reue i.S.v. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/306e.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 306e StGB: T&auml;tige Reue\">\u00a7 306e StGB<\/a>. Neben den\u00a0Sachbesch\u00e4digungsdelikten konnte man auch an die Straftaten des 29. Abschnitts denken, wobei aber absolut keine fundierten Kenntnisse erwartet wurden. Da der Mandant zudem Angst hatte, zu einer Freiheitsstrafe verurteilt zu werden, weshalb sich die Beratung vor allem auch auf die in Frage kommenden Sanktionen erstreckte. Im Anschluss kamen wir dann zu einem weiteren Fall, der ebenfalls aus anwaltlicher Sicht zu beurteilen war. Ein Mandant hatte einen Strafbefehl wegen eines Diebstahls mit einer Geldstrafe von 90 Tagess\u00e4tzen zu 150 Euro erhalten. Der Sachverhalt stimmte mit seinen Angaben \u00fcberein. Er habe aber kein Geld und wolle keinesfalls die Summe bezahlen. Im Rahmen dieses Falles sprachen wir die Voraussetzungen und Optionen des weiteren Vorgehens bei Erhalt eines Strafbefehls durch. Dabei konnte mit sauberer Arbeit anhand der <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StPO\/407.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 407 StPO: Zul&auml;ssigkeit\">\u00a7\u00a7 407 ff. StPO<\/a> gepunktet werden. Auch hier lag der Fokus teils auf praktischem Denken, etwa, ob dies mit Blick auf die Frist \u00fcberhaupt noch m\u00f6gliche w\u00e4re und wie wir Akteneinsicht beantragen. Wir besprachen, aus welchen Elementen sich eine Geldstrafe zusammensetzt und welche H\u00f6he in unserem Fall wohl angemessen w\u00e4re. Da der Mandant nicht vorbestraft war und die Tat insgesamt ein geringes Unrecht aufwies, entschieden wir uns dann daf\u00fcr, den Strafbefehl nur auf die Rechtsfolgenseite beschr\u00e4nkt anzugreifen. \u00dcber diese M\u00f6glichkeit und die Beratung des Mandanten sprachen wir eine Weile, wobei jeder einen Schlusssatz formulieren durfte, wie wir die Beratung gegen\u00fcber dem Mandanten abschlie\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den obigen anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem zweiten Staatsexamen der <strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Hessen im M\u00e4rz 2023<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht [\/vc_column_text][vc_column_text] Vorpunkte der Kandidaten [\/vc_column_text][vc_column_text] Kandidat 1 Note staatl. Teil 1. Examen 8,33 Gesamtnote 1. Examen 10,22 Gesamtnote 2. Examen 8,07 [\/vc_column_text][vc_column_text] Zur Sache: Pr\u00fcfungsstoff: protokollfest, aktuelle F\u00e4lle Pr\u00fcfungsthemen: Aktuelle Reformen \/ Themen Paragraphen: \u00a7306a StGB Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch: Frage-Antwort, h\u00e4lt Reihenfolge ein, verfolgt Zwischenthemen, Fragestellung klar [\/vc_column_text][vc_column_text] [\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1755,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2025,2010,55,1715],"tags":[],"class_list":["post-16909","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2-staatsexamen","category-protokolle","category-magazin","category-strafrecht-rechtsgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1755"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16909"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16911,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16909\/revisions\/16911"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}