{"id":16963,"date":"2023-05-23T12:00:18","date_gmt":"2023-05-23T10:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=16963"},"modified":"2023-05-16T12:47:54","modified_gmt":"2023-05-16T10:47:54","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-bayern-vom-februar-2023-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-1-staatsexamen-bayern-vom-februar-2023-2\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 1. Staatsexamen &#8211; Bayern vom Februar 2023"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n<table width=\"265\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Kandidat<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Note staatl. Teil 1. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">10,36<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Gesamtnote 1. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">10,59<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen: <\/strong>Mittelbare T\u00e4terschaft Rechtspflegedelikte Aktuelle Strafrechtliche Themen Mord\/ Totschlag Dolus Generalis<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen: <\/strong><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/239.html\">\u00a7239 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/242.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/222.html\">\u00a7222 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/242.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/145d.html\">\u00a7145d StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/242.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/22.html\">\u00a722 StGB<\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/242.html\">, <\/a><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/25.html\">\u00a725 StGB<\/a><\/p>\n<p><strong>Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0<\/strong>Frage-Antwort, l\u00e4sst Meldungen zu, verfolgt Zwischenthemen, Fragestellung klar<strong><br \/>\n<\/strong>[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Pr\u00fcfer stieg mit der Frage ein, was uns denn f\u00fcr aktuelle strafrechtliche, rechtspolitische\u00a0Themen einfallen w\u00fcrden. Hier nannte jeder Pr\u00fcfling etwas Unterschiedliches. Anschlie\u00dfend begann der Pr\u00fcfer mit einem Fall, zu dem ihn das Buch \u201eUnschuld\u201c inspiriert habe. Der Pr\u00fcfer schilderte einen Haushalt mit vielen Waffen, der unter anderem aus dem Vater V den Kinder A (12 Jahre alt) und B best\u00fcnde. Zudem gebe es den Haushalter S. A spielt gerne mit \u00fcblicherweise ungeladenen Pistolen, die im Haushalt auffindbar sind. So auch eines Tages bei dem A mit einer geladenen Pistole spielte, die er jedoch f\u00fcr ungeladen hielt. Er zielte mit dieser aus seiner Sicht ungeladenen Pistole auf den B und dr\u00fcckte ab. B verstarb. Der Vater \u00fcberredete den S mithilfe finanzieller Anreize dazu die Tat auf sich zu nehmen. Dabei lie\u00df der Pr\u00fcfer explizit offen, ob der Vater auch selbst gegen\u00fcber der Staatsanwaltschaft\/ dem Gericht t\u00e4tig wurde, um von der T\u00e4terschaft des A abzulenken oder ob dies nur durch Einwirkung auf S geschah. Zun\u00e4chst war nach der Strafbarkeit des A gefragt. Wir subsumierten Mord, Totschlag kurz durch, bis wir zur fahrl\u00e4ssigen T\u00f6tung kamen, bei der die objektive sowie in der Schuld die subjektive Sorgfaltspflichtverletzung und Vorhersehbarkeit kurz thematisiert wurde. Letztendlich wurde die Strafbarkeit des A wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung abgelehnt, da er schuldunf\u00e4hig war. Als n\u00e4chstes pr\u00fcften wir die Strafbarkeit des Vaters. Hier wollte der Pr\u00fcfer zun\u00e4chst auf eine Pr\u00fcfung der Freiheitsberaubung (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/239.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 239 StGB: Freiheitsberaubung\">\u00a7 239 StGB<\/a>) in mittelbarer T\u00e4terschaft hinaus. Dies pr\u00fcften wir durch, wobei der Defekt des Richters als Tatmittlers in einem Erlaubnistatbestandsirrtum zu sehen war. Problematisiert wurde zudem ein Tatbestandsauschlie\u00dfendes Einverst\u00e4ndnis des S, da er ja mit der Inhaftierung einverstanden war. Dieses lehnten wir aber mit der Begr\u00fcndung ab, dass ein tatbestandliches Einverst\u00e4ndnis in die Freiheitsberaubung nicht m\u00f6glich sei, da der einzige Anhaltspunkt daf\u00fcr, dass der Tatbestand des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/239.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 239 StGB: Freiheitsberaubung\">\u00a7 239 StGB<\/a> nur gegen den Willen des Opfers erf\u00fcllt werden kann in dem Begriff der Freiheit liegen k\u00f6nnte. Der Freiheitsbegriff gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/239.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 239 StGB: Freiheitsberaubung\">\u00a7 239 StGB<\/a> ist umstritten, sodass man hier auch sicherlich eine andere Meinung h\u00e4tte vertreten k\u00f6nnen. Der Pr\u00fcfer war aber mit der Argumentation zufrieden, sodass wir anschlie\u00dfend eine rechtfertigende Einwilligung pr\u00fcften. Hier gingen wir generell auf dieses Institut ein, worin seine Rechtfertigung liege und unter welchen Grenzen eine Einwilligung noch m\u00f6glich ist. In diesem Fall w\u00e4re es vertretbar gewesen eine rechtfertigende Einwilligung mit der Begr\u00fcndung abzulehnen, dass S nicht in eine so schwere Folge wie die lebenslange Freiheitsstrafe einwilligen k\u00f6nne. Als n\u00e4chstes pr\u00fcften wir <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/164.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 164 StGB: Falsche Verd&auml;chtigung\">\u00a7 164 StGB<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/145d.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 145d StGB: Vort&auml;uschen einer Straftat\">\u00a7 145d StGB<\/a>. \u00a7 164 sowie \u00a7 145d I lehnten wir ab, \u00a7 145d II bejahten wir, je nach Sachverhaltsvariation durch die eigene T\u00e4terschaft des Vaters oder aber durch Anstiftung des S. Auch fragte der Pr\u00fcfer nach dem von <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/145d.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 145d StGB: Vort&auml;uschen einer Straftat\">\u00a7 145d StGB<\/a> gesch\u00fctzten Rechtsgut, der Rechtspflege. Dann bildete der Pr\u00fcfer einen zweiten Fall. T sticht O mit T\u00f6tungsvorsatz mehrmals ins Gesicht und l\u00e4sst ihn anschlie\u00dfend in dem Glauben liegen, dass dieser gestorben sei, was aber nicht der Fall ist. Sp\u00e4ter schickt T seine Freundin F um die Spuren am Tatort zu beseitigen. Sie findet den r\u00f6chelnden O und t\u00f6tet diesen aus Mitleid. Zun\u00e4chst wurde die Strafbarkeit der F gepr\u00fcft (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/212.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 212 StGB: Totschlag\">\u00a7 212 StGB<\/a>, kein \u00a7 211, da Hauptmotiv Mitleid und nicht die Verdeckung.) Anschlie\u00dfend pr\u00fcften wir die Strafbarkeit des T. Dies erfolgte recht oberfl\u00e4chlich und Ts Strafbarkeit wurde nicht vollumf\u00e4nglich durchgepr\u00fcft, da der Pr\u00fcfer noch einen weiteren Fall durchpr\u00fcfen wollte: T klingelt bei O um diesen, wenn er die T\u00fcr \u00f6ffnet zu t\u00f6ten. Hierzu wollte T das \u00dcberraschungsmoment nutzen. Wir pr\u00fcften den versuchten Mord. Dabei subsumierten wir die Strafbarkeit des Versuchs und den Tatentschluss samt Mordmerkmale (lediglich Heimt\u00fccke) kurz durch. Das eigentliche Problem lag hier in dem unmittelbaren Ansetzen. Hierzu wollte der Pr\u00fcfer die Definition erfahren. Auch wollte er, dass wir den Fall mit den Distanzf\u00e4llen vergleichen. Es begann daher eine eher allgemeine Diskussion \u00fcber das unmittelbare Ansetzen.<\/p>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den obigen anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem ersten Staatsexamen der\u00a0<strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Bayern vom Februar 2023<\/strong>. Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht [\/vc_column_text][vc_column_text] Vorpunkte der Kandidaten [\/vc_column_text][vc_column_text] Kandidat 1 Note staatl. Teil 1. Examen 10,36 Gesamtnote 1. Examen 10,59 [\/vc_column_text][vc_column_text] Zur Sache: Pr\u00fcfungsthemen: Mittelbare T\u00e4terschaft Rechtspflegedelikte Aktuelle Strafrechtliche Themen Mord\/ Totschlag Dolus Generalis Paragraphen: \u00a7239 StGB, \u00a7222 StGB, \u00a7145d StGB, \u00a722 StGB, \u00a725 StGB Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:\u00a0Frage-Antwort, l\u00e4sst Meldungen zu, verfolgt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1755,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2024,2010,55,1715],"tags":[],"class_list":["post-16963","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-staatsexamen","category-protokolle","category-magazin","category-strafrecht-rechtsgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16963","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1755"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16963"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16963\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16964,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16963\/revisions\/16964"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16963"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16963"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}