{"id":18178,"date":"2025-08-28T12:00:48","date_gmt":"2025-08-28T10:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=18178"},"modified":"2025-08-21T08:07:23","modified_gmt":"2025-08-21T06:07:23","slug":"protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-niedersachsen-vom-juni-2025-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/protokoll-der-muendlichen-pruefung-zum-2-staatsexamen-niedersachsen-vom-juni-2025-3\/","title":{"rendered":"Protokoll der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung zum 2. Staatsexamen &#8211; Niedersachsen vom Juni 2025"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Vorpunkte der Kandidaten<\/h2>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<table width=\"265\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Kandidat<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">1<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Endpunkte<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">7,06<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Endnote<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">9,11<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"189\">\n<p style=\"text-align: left;\">Endnote 1. Examen<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p style=\"text-align: center;\">7,62<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zur Sache:<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen: <\/strong>aktuelle F\u00e4lle<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Pr\u00fcfungsthemen: <\/strong> Allgemeines Strafrecht, insbesondere Versuch, Schuldf\u00e4higkeit Materielles Strafrecht, insbesondere Mordmerkmale<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Paragraphen: <\/strong>\u00a0<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/311b.html\">\u00a719 StGB, \u00a720 StGB, \u00a723 StGB, \u00a7112 StPO<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch: <\/span><\/strong><span style=\"line-height: 1.5;\">Frage-Antwort, h\u00e4lt Reihenfolge ein, Intensivbefragung Einzelner<\/span><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_column_text]\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Einstieg stellte der Pr\u00fcfer Fragen zu den verschiedenen Spruchk\u00f6rpern am Landgericht, konkret zur gro\u00dfen Strafkammer, kleinen Strafkammer, Schwurgerichtskammer und Wirtschaftsstrafkammer, einschlie\u00dflich deren personeller Besetzung. Im Anschluss schilderte er einen von ihm k\u00fcrzlich bearbeiteten Fall mit folgendem Hintergrund: Die Pr\u00fcflinge sollten sich in die Rolle von Staatsanw\u00e4ltinnen und Staatsanw\u00e4lten versetzen, die von der Polizei kontaktiert werden. Hintergrund war die Festnahme eines etwa 25-j\u00e4hrigen Mannes mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. Dieser hatte eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert und zuletzt in einem Hospiz gearbeitet. Nach Konflikten mit Kollegen und Beschwerden wurde er vom Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hospizes zu einem Gespr\u00e4ch gebeten, in dem ihm die K\u00fcndigung ausgesprochen wurde. B verlie\u00df das Hospiz zun\u00e4chst, blieb dann aber mit seinem Auto auf dem Parkplatz vor dem Geb\u00e4ude. Etwa drei Stunden sp\u00e4ter trat auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer seinen Heimweg an und begegnete dem im Auto sitzenden B, dem er zun\u00e4chst keine besondere Bedeutung beima\u00df &#8211; im Gegenteil, er erwog sogar, ob dieser das Gespr\u00e4ch suchen wolle. Pl\u00f6tzlich beschleunigte B sein Fahrzeug und fuhr gezielt auf den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu, traf diesen mit der Motorhaube und schleuderte ihn gegen eine Holzt\u00fcr. Danach stieg B ruhig aus und entfernte sich vom Tatort. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde zwar verletzt, schwebte aber nicht in Lebensgefahr. B wurde sp\u00e4ter in der N\u00e4he einer Bahnlinie von der Polizei festgenommen; bei ihm wurde ein Zettel gefunden, auf dem er erkl\u00e4rte, keine lebensverl\u00e4ngernden Ma\u00dfnahmen zu w\u00fcnschen. Der Pr\u00fcfer er\u00f6ffnete das Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch mit der Frage, weshalb die Polizei in diesem Fall die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe. Dabei wurde insbesondere auf die Rolle der Staatsanwaltschaft als Herrin des Ermittlungsverfahrens eingegangen, insbesondere im Hinblick auf m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen wie die Beantragung eines Haftbefehls. Die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr einen solchen wurden kurz angerissen. Im weiteren Verlauf wurde die Frage aufgeworfen, welche Straftatbest\u00e4nde vor dem Hintergrund eines dringenden Tatverdachts in Betracht kommen k\u00f6nnten. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig ging es sodann um versuchten Mord bzw. versuchten Totschlag. Der Einstieg erfolgte \u00fcber die allgemeinen Voraussetzungen der Versuchsstrafbarkeit. Der Pr\u00fcfer legte gro\u00dfen Wert auf eine systematische und strukturierte Pr\u00fcfung sowie die pr\u00e4zise Wiedergabe strafrechtlicher Definitionen. Die Pr\u00fcfung des Tatentschlusses wurde ausf\u00fchrlicher behandelt. Dabei war ihm zun\u00e4chst eine saubere Abgrenzung der Vorsatzarten wichtig &#8211; dolus directus ersten und zweiten Grades sowie Eventualvorsatz -, wobei auch eine kurze Abgrenzung zur bewussten Fahrl\u00e4ssigkeit erfolgte. Anschlie\u00dfend kamen verschiedene Mordmerkmale zur Sprache, etwa Heimt\u00fccke, gemeingef\u00e4hrliches Mittel und niedrige Beweggr\u00fcnde. Auch hier legte der Pr\u00fcfer Wert auf sorgf\u00e4ltige Definitionen und eine klare Subsumtion. Nachdem festgestellt wurde, dass der T\u00e4ter zur Tat unmittelbar angesetzt hatte, wandte sich das Gespr\u00e4ch der Frage der Schuldf\u00e4higkeit zu. Die <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/20.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 20 StGB: Schuldunf&auml;higkeit wegen seelischer St&ouml;rungen\">\u00a7\u00a7 20<\/a> und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/21.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 21 StGB: Verminderte Schuldf&auml;higkeit\">21 StGB<\/a> wurden genannt und durch Subsumtion auf den Fall angewendet. Im Zentrum stand dabei die Frage, ob \u00fcber eine seelische St\u00f6rung hinaus weitere Voraussetzungen erf\u00fcllt, sein m\u00fcssen, insbesondere in Bezug auf die Einsichts- und Steuerungsf\u00e4higkeit. Ferner fragte er nach der praktischen Vorgehensweise zur Feststellung der Schuldunf\u00e4higkeit im Ermittlungs- und Hauptverfahren. Im Anschluss wurde er\u00f6rtert, ob weitere Straftatbest\u00e4nde einschl\u00e4gig sein k\u00f6nnten. Insbesondere <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/142.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 142 StGB: Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort\">\u00a7 142 StGB<\/a> wurde diskutiert, wobei der Pr\u00fcfer darauf hinwies, dass die Rechtsprechung einen vors\u00e4tzlich herbeigef\u00fchrten Zusammensto\u00df nicht als &#8222;Unfall&#8220; im Sinne dieser Vorschrift werte. Auf den Tatbestand der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung wurde nicht n\u00e4her eingegangen. Zum Schluss bat der Pr\u00fcfer um eine Einsch\u00e4tzung zum Verhalten des Beschuldigten: Handelte es sich um eine geplante Tat oder vielmehr um eine impulsive Kurzschlussreaktion? Dabei sollten insbesondere der gefundene Zettel sowie das ruhige Entfernen vom Tatort in die \u00dcberlegungen einbezogen werden. Eine &#8222;richtige&#8220; oder &#8222;falsche&#8220; Antwort schien hierbei nicht im Vordergrund zu stehen &#8211; vielmehr war ihm an einer schl\u00fcssigen, gedanklich nachvollziehbaren Argumentation gelegen.<\/p>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den obigen anonymisierten Protokollen handelt es sich um eine Original-Mitschrift aus dem zweiten Staatsexamen der <strong>M\u00fcndlichen Pr\u00fcfung in Niedersachsen vom Juni 2025.<\/strong>\u00a0Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weggelassen wurden die Angaben zum Pr\u00fcferverhalten. Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Pr\u00fcfungsthemen: Strafrecht [\/vc_column_text][vc_column_text] Vorpunkte der Kandidaten [\/vc_column_text][vc_column_text] Kandidat 1 Endpunkte 7,06 Endnote 9,11 Endnote 1. Examen 7,62 [\/vc_column_text][vc_column_text] Zur Sache: Pr\u00fcfungsthemen: aktuelle F\u00e4lle Pr\u00fcfungsthemen: Allgemeines Strafrecht, insbesondere Versuch, Schuldf\u00e4higkeit Materielles Strafrecht, insbesondere Mordmerkmale Paragraphen: \u00a0\u00a719 StGB, \u00a720 StGB, \u00a723 StGB, \u00a7112 StPO Pr\u00fcfungsgespr\u00e4ch: Frage-Antwort, h\u00e4lt Reihenfolge ein, Intensivbefragung Einzelner&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1755,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2025,2010,55,1715],"tags":[],"class_list":["post-18178","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2-staatsexamen","category-protokolle","category-magazin","category-strafrecht-rechtsgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1755"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18178"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18179,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18178\/revisions\/18179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}