{"id":18584,"date":"2026-06-17T09:00:37","date_gmt":"2026-06-17T07:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/?p=18584"},"modified":"2026-06-09T12:35:49","modified_gmt":"2026-06-09T10:35:49","slug":"gedaechtnisprotokoll-einer-echten-klausur-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-januar-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/gedaechtnisprotokoll-einer-echten-klausur-zum-1-staatsexamen-nrw-vom-januar-2026\/","title":{"rendered":"Ged\u00e4chtnisprotokoll einer echten Klausur zum 1. Staatsexamen &#8211; NRW vom Januar 2026"},"content":{"rendered":"[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<h2>Pr\u00fcfungsfach:\u00a0 \u00d6ffentliches Recht<\/h2>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Ged\u00e4chtnisprotokoll:<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bundesregierung plant zur Steigerung der Wahlbeteiligung und zur Modernisierung des Wahlverfahrens eine grundlegende Reform des Bundeswahlgesetzes (BWG). Der Gesetzesentwurf wird von einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten (aus der Mitte des Bundestages) formgerecht eingebracht. Kern der \u00c4nderung ist die Abschaffung der traditionellen Urnenwahl am Wahlsonntag. Stattdessen wird gesetzlich verankert, dass die Bundestagswahl k\u00fcnftig \u00fcber einen Zeitraum von vier Wochen gestreckt wird und ausschlie\u00dflich als reine Briefwahl stattfindet. Die Antragsteller (eine qualifizierte Minderheit von Bundestagsabgeordneten) halten dieses Gesetz f\u00fcr verfassungswidrig und rufen das Bundesverfassungsgericht an. Prozessuale Einkleidung: Die \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des ge\u00e4nderten Bundeswahlgesetzes erfolgt im Wege der abstrakten Normkontrolle gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/93.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 93 GG\">Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/13.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 13 BVerfGG\">\u00a7 13 Nr. 6<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/76.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 76 BVerfGG\">\u00a7\u00a7 76 ff. BVerfGG<\/a>. Antragsbefugnis (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/76.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 76 BVerfGG\">\u00a7 76 Abs. 1 BVerfGG<\/a>): Da der Antrag von einer Fraktion oder einem Viertel der Mitglieder des Bundestages (Januar 2026: typische Konstellation der Opposition) eingereicht wurde, ist das Quorum erf\u00fcllt (ein Viertel der gesetzlichen Mitglieder des Bundestages, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BVerfGG\/76.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 76 BVerfGG\">\u00a7 76 Abs. 1 Nr. 2 BVerfGG<\/a>). Tauglicher Pr\u00fcfungsgegenstand: Das ge\u00e4nderte Bundeswahlgesetz als Bundesrecht. Klarstellungsinteresse: Angesichts der fundamentalen \u00c4nderung des Wahlsystems besteht ein erhebliches objektives Interesse an der Kl\u00e4rung der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit. Begr\u00fcndetheit: Der Antrag ist begr\u00fcndet, wenn das \u00c4nderungsgesetz gegen das Grundgesetz verst\u00f6\u00dft. A) Formelle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit Zust\u00e4ndigkeit: Der Bund hat die ausschlie\u00dfliche Gesetzgebungskompetenz f\u00fcr die Wahl der Abgeordneten des Bundestages aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/38.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 38 GG\">Art. 38 Abs. 3 GG<\/a>. Verfahren (Initiativverfahren): Problem: Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/76.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 76 GG\">Art. 76 Abs. 1 GG<\/a>? Das Gesetz wurde \u201eaus der Mitte des Bundestages\u201c eingebracht. Nach \u00a7 76 Abs. 1 GOBT muss eine Vorlage einer Fraktion oder von 5 % der Mitglieder des Bundestages unterzeichnet sein. In der Klausur ist pr\u00e4zise zu pr\u00fcfen, ob die Einbringung durch die einzelnen Abgeordneten diesen formellen Anforderungen entsprach. Selbst wenn ein Versto\u00df gegen die Gesch\u00e4ftsordnung (GOBT) vorl\u00e4ge, begr\u00fcndet dies nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BVerfG nur dann einen Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/76.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 76 GG\">Art. 76 Abs. 1 GG<\/a> (Verfassungswidrigkeit), wenn der Kern der Abgeordnetenrechte oder die demokratische Willensbildung grundlegend verletzt wurden. B) Materielle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit Hier liegt der Schwerpunkt der Klausur. Das Gesetz muss mit den Wahlrechtsgrunds\u00e4tzen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/38.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 38 GG\">Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG<\/a> im Einklang stehen. Versto\u00df gegen die Geheime Wahl (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/38.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 38 GG\">Art. 38 Abs. 1 S. 1 GG<\/a>): Argumentation: Bei einer reinen und verpflichtenden Briefwahl f\u00e4llt die staatliche Kontrolle \u00fcber die Kabine weg. Es besteht die Gefahr, dass W\u00e4hler bei der Stimmabgabe zu Hause von Familienmitgliedern, Arbeitgebern oder Dritten beobachtet oder beeinflusst werden (Verlust der \u201eFreiheit von sozialem Druck\u201c). Gegenargument: Die Geheime Wahl wird prozedural durch die eidesstattliche Versicherung auf dem Wahlschein gesch\u00fctzt. Das BVerfG hat die Briefwahl historically als Ausnahme zugelassen. Die Ausweitung zur Ausschlie\u00dflichen Briefwahl hebt jedoch das Regel-Ausnahme-Verh\u00e4ltnis auf. Das verfassungsrechtliche Leitbild der Urnenwahl und die \u00d6ffentlichkeit der Wahl (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/38.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 38 GG\">Art. 38<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/20.html\" target=\"_blank\" title=\"Art. 20 GG\">Art. 20 Abs. 1, Abs. 2 GG<\/a>): Leitbild der Urnenwahl: Das Bundesverfassungsgericht betont, dass die Wahl ein \u00f6ffentliches Ereignis im demokratischen Staat ist. Das verfassungsrechtliche Leitbild ist die Urnenwahl. Die Stimmabgabe im Wahllokal stellt sicher, dass der Wahlakt transparent, beobachtbar und f\u00fcr jedermann nachvollziehbar ist (Grundsatz der \u00d6ffentlichkeit der Wahl). Rechtfertigung des Eingriffs: Kann die Abschaffung der Urnenwahl durch andere Verfassungsg\u00fcter (z. B. Maximierung der Wahlbeteiligung, Erleichterung des Wahlakts, Schutz vor Pandemien\/Krisen) gerechtfertigt werden? Eine generelle und dauerhafte Ersetzung der Urnenwahl durch eine vierw\u00f6chige Briefwahl l\u00e4sst sich im Normalzustand kaum rechtfertigen, da die Briefwahl wesentliche Sicherheitsvorkehrungen (Missbrauchsschutz, Transparenz bei der Stimmausz\u00e4hlung vor Ort) schw\u00e4cht. Fazit \/ Ergebnis Die formelle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit ist bei Einhaltung der Quoren gegeben. In der materiellen Pr\u00fcfung ist das Gesetz jedoch wegen der Missachtung des Leitbilds der Urnenwahl, des Versto\u00dfes gegen den Grundsatz der \u00d6ffentlichkeit der Wahl und der unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Gef\u00e4hrdung des Wahlgeheimnisses als verfassungswidrig einzustufen. Die abstrakte Normkontrolle hat somit Erfolg.<\/p>\n[\/vc_column_text]<div  class=\"divider\"><\/div>[vc_column_text]\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den obigen Klausurprotokoll handelt es sich um das Ged\u00e4chtnisprotokoll einer <strong>echten Klausur vom Januar 2026 im ersten Staatsexamen in NRW .<\/strong>\u00a0Das Protokoll stammt aus dem Fundus des Protokollverleihs\u00a0<a href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/pruefungsprotokolle\">Juridicus.de<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schilderung des Falles und die L\u00f6sung beruhen ausschlie\u00dflich auf der Wahrnehmung des Pr\u00fcflings.<\/p>\n[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;full_width_background&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;]<div  class=\"divider-border\"><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Pr\u00fcfungsfach:\u00a0 \u00d6ffentliches Recht [\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8220;in_container&#8220; scene_position=&#8220;center&#8220; text_color=&#8220;dark&#8220; text_align=&#8220;left&#8220; overlay_strength=&#8220;0.3&#8243;][vc_column column_padding=&#8220;no-extra-padding&#8220; column_padding_position=&#8220;all&#8220; background_color_opacity=&#8220;1&#8243; background_hover_color_opacity=&#8220;1&#8243; width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text] Ged\u00e4chtnisprotokoll: Die Bundesregierung plant zur Steigerung der Wahlbeteiligung und zur Modernisierung des Wahlverfahrens eine grundlegende Reform des Bundeswahlgesetzes (BWG). Der Gesetzesentwurf wird von einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten (aus der Mitte des Bundestages) formgerecht eingebracht. 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