{"id":2439,"date":"2014-11-01T08:00:07","date_gmt":"2014-11-01T06:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/examensrelevant.de\/?p=2439"},"modified":"2018-12-14T02:26:53","modified_gmt":"2018-12-14T01:26:53","slug":"grundlagenwissen-voraussetzungen-fuer-mietminderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/grundlagenwissen-voraussetzungen-fuer-mietminderung\/","title":{"rendered":"Pr\u00fcfungswissen: Voraussetzungen f\u00fcr Mietminderung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach \u00a7\u2009536 I BGB braucht der Mieter nicht die volle Miete zu zahlen, sofern nicht die Minderung der Tauglichkeit unerheblich ist (\u00a7\u2009536 I 3 BGB). Dem Wohnraummieter kann dieses Recht nicht einmal durch Individualvereinbarung entzogen werden, \u00a7\u2009536 IV BGB.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Zwischen dieser Minderung und derjenigen im Kaufrecht bestehen erhebliche Unterschiede: Die mietrechtliche Minderung braucht <strong>nicht<\/strong> erst durch die <strong>Aus\u00fcbung eines Gestaltungsrechts<\/strong> vollzogen zu werden. Vielmehr setzt \u00a7\u2009536 BGB selbst die Miete herab, so dass der Mieter nur den geringeren Betrag (oder bei g\u00e4nzlicher Unbrauchbarkeit der Mietsache \u00fcberhaupt nichts) schuldet. Daher unterliegt die Minderung anders als im Kaufrecht als solche auch nicht mittelbar einer Verj\u00e4hrung. Wenn der Mieter trotzdem den vollen Betrag gezahlt hat, kann er das zuviel Gezahlte grunds\u00e4tzlich nach \u00a7\u2009812 I 1 Alt.1 BGB zur\u00fcckverlangen. Dieser <strong>R\u00fcckforderungsanspruch<\/strong> in Bezug auf zuviel gezahlte Miete unterliegt dann der Regelverj\u00e4hrung der \u00a7\u00a7\u2009195, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/199.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 199 BGB: Beginn der regelm&auml;&szlig;igen Verj&auml;hrungsfrist und Verj&auml;hrungsh&ouml;chstfristen\">199 BGB<\/a>.<br \/>\nWenn der Mieter <strong>in Kenntnis der Minderung die volle Miete weiterzahlt<\/strong>, scheitert sein R\u00fcckforderungsanspruch allerdings an \u00a7\u2009814 BGB (<strong>Kenntnis der Nichtschuld<\/strong>). Das kann er verhindern, indem er unter Vorbehalt der R\u00fcckforderung zahlt. F\u00fcr die Zukunft wird die Minderung durch eine (auch vorbehaltslose) Weiterzahlung nicht ber\u00fchrt, sofern nicht im Einzelfall in der vorbehaltslosen Zahlung ein Verzicht oder Verwirkung zu sehen sind (vgl. Medicus\/Lorenz, Schuldrecht II BT, Rn. 457 f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>I. Wirksamer Mietvertrag<\/strong><br \/>\nEs muss nach allgemeinen Grunds\u00e4tzen ein wirksamer Mietvertrag geschlossen worden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>II. Mangel der Mietsache<\/strong><br \/>\nDie Mietsache muss mangelhaft sein<br \/>\n1. <strong>Sachmangel<\/strong> i.S.d. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536 BGB: Mietminderung bei Sach- und Rechtsm&auml;ngeln\">\u00a7 536 I, II BGB<\/a><br \/>\na) <strong>erheblicher Fehler<\/strong> nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536 BGB: Mietminderung bei Sach- und Rechtsm&auml;ngeln\">\u00a7 536 I BGB<\/a><br \/>\n<strong>Fehler,<\/strong> der die Tauglichkeit der Sache zu dem <strong>vertragsgem\u00e4\u00dfen<\/strong> Gebrauch nicht nur unerheblich aufhebt oder beeintr\u00e4chtigt (<strong>subjektiver Fehlerbegriff<\/strong>).<br \/>\nb) Fehlen oder sp\u00e4terer Wegfall einer <strong>zugesicherten Eigenschaft<\/strong> nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536 BGB: Mietminderung bei Sach- und Rechtsm&auml;ngeln\">\u00a7 536 II BGB<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. <strong>Rechtsmangel<\/strong> nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536 BGB: Mietminderung bei Sach- und Rechtsm&auml;ngeln\">\u00a7 536 III BGB<\/a><br \/>\nDem Mieter wird aufgrund eines privaten Rechts eines Dritten der vertragsgem\u00e4\u00dfe Gebrauch ganz oder teilweise tats\u00e4chlich entzogen.<br \/>\n(<strong>analoge<\/strong> Anwendbarkeit, wenn dem Mieter infolge des Rechts eines Dritten der Gebrauch <strong>von vornherein<\/strong> nicht gew\u00e4hrt wird.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>III. Kein Ausschluss der Gew\u00e4hrleistung<\/strong><br \/>\n<strong>1. vertraglicher Gew\u00e4hrleistungsausschluss<\/strong><br \/>\nSofern es sich nicht um ein Wohnraummietverh\u00e4ltnis handelt (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536 BGB: Mietminderung bei Sach- und Rechtsm&auml;ngeln\">\u00a7 536 IV BGB<\/a>) kann das Minderungsrecht durch vertragliche Vereinbarung, auch im Rahmen der Vereinbarung allgemeiner Gesch\u00e4ftsbedingungen, ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. gesetzlicher Gew\u00e4hrleistungsausschluss<\/strong><br \/>\nDurch Gesetz ist die Minderung ausgeschlossen, wenn der Mieter den Mangel <strong>positiv kannte<\/strong> oder <strong>grob fahrl\u00e4ssig nicht kannte<\/strong> (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536b.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536b BGB: Kenntnis des Mieters vom Mangel bei Vertragsschluss oder Annahme\">\u00a7 536b S 1<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/2.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 2 BGB: Eintritt der Vollj&auml;hrigkeit\">2 BGB<\/a>). Im letzteren Fall bleibt dem Mieter aber die Minderungsbefugnis erhalten, wenn der Vermieter den Mangel arglistig verschwiegen hat. Dasselbe gilt, wenn der Mieter die Mietsache trotz des Mangels annimmt (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536b.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536b BGB: Kenntnis des Mieters vom Mangel bei Vertragsschluss oder Annahme\">\u00a7 536b S 3 BGB<\/a>). Die Minderung ist weiterhin ausgeschlossen, soweit der Mieter seine Anzeigepflicht verletzt hat und der Vermieter deshalb gehindert war, Abhilfe zu schaffen (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/536c.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 536c BGB: W&auml;hrend der Mietzeit auftretende M&auml;ngel; M&auml;ngelanzeige durch den Mieter\">\u00a7 536c II S 2 Nr. 1 BGB<\/a>; vgl. Beck-OK- Ehlert, \u00a7 536, Rn. 105).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. durch Verhalten des Mieters<\/strong><br \/>\nDie Minderung ist zudem ausgeschlossen, wenn der Mangel vom Mieter zu <strong>vertreten<\/strong> ist (BGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=NJW%201992,%201036\" target=\"_blank\" title=\"BGH, 13.12.1991 - LwZR 5\/91: Wiederaufbau durch Brand zerst&ouml;rter Geb&auml;uden bei verpachtetem Anwe...\">NJW 1992, 1036<\/a>; OLG Naumburg NZM 2002, 100; LG Duisburg <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=WuM%202003,%20494\" target=\"_blank\" title=\"LG Duisburg, 05.08.2003 - 13 S 345\/01: Nichtgeltendmachung einer Forderung als Angebot auf Absc...\">WuM 2003, 494<\/a>), z.B. wenn der Mieter den Mangel verursacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ver\u00f6ffentlicht in der <a title=\"Zeitschriftenauswertung (ZA)\" href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/ZA\/konzept.html\">Zeitschriftenauswertung (ZA)<\/a> April 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach \u00a7\u2009536 I BGB braucht der Mieter nicht die volle Miete zu zahlen, sofern nicht die Minderung der Tauglichkeit unerheblich ist (\u00a7\u2009536 I 3 BGB). 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