{"id":5987,"date":"2015-12-08T09:00:13","date_gmt":"2015-12-08T08:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/examensrelevant.de\/?p=5987"},"modified":"2018-12-14T02:26:33","modified_gmt":"2018-12-14T01:26:33","slug":"pruefungswissen-aufbauschema-mord-%c2%a7-212-211-stgb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.juridicus.de\/blog\/pruefungswissen-aufbauschema-mord-%c2%a7-212-211-stgb\/","title":{"rendered":"Pr\u00fcfungswissen: \u201eAufbauschema Mord, \u00a7 212, 211 StGB\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hinweis: <\/strong>Einf\u00fchrung zu der Entscheidungsbesprechung: Verdeckungsmord (BGH; Beschluss vom 03.02.2015 \u2212 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=3%20StR%20541\/14\" target=\"_blank\" title=\"BGH, 03.02.2015 - 3 StR 541\/14: Verdeckungsmord durch Unterlassen bei vorausgehenden Gewalthand...\">3 StR 541\/14<\/a>) Die Entscheidungsbesprechung wird heute mittag ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00fcfungswissen: Aufbauschema Mord, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/212.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 212 StGB: Totschlag\">\u00a7 212<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/211.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 211 StGB: Mord\">211 StGB<\/a> (vgl. Rengier, StR BT II, \u00a7 4, 16. Aufl. 2015 m.w.N.)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">I. <strong>Tatbestand<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. <strong>Objektiver Tatbestand<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>a) Verwirklichung des Tatbestandes des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/212.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 212 StGB: Totschlag\">\u00a7 212 StGB<\/a><\/strong><br \/>\nEs muss ein anderer Mensch get\u00f6tet worden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>b) Objektive Mordmerkmale des \u00a7 211 II 2. Gruppe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>aa) Heimt\u00fccke<\/strong><br \/>\nHeimt\u00fcckisch handelt, wer \u2013 in feindseliger Willensrichtung (streitig) \u2013 die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur T\u00f6tung ausnutzt.<br \/>\n<strong>Arglos<\/strong> ist, wer sich bei Beginn des ersten mit T\u00f6tungsvorsatz gef\u00fchrten Angriffs <strong>keines erheblichen t\u00e4tlichen Angriffs auf sein Leben oder seine k\u00f6rperliche Unversehrtheit versieht<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wehrlos<\/strong> ist, wer infolge seiner Arglosigkeit zur Verteidigung au\u00dferstande oder in seiner nat\u00fcrlichen Abwehrbereitschaft und Abwehrf\u00e4higkeit stark eingeschr\u00e4nkt ist. Demnach muss die <strong>Wehrlosigkeit auf der Arglosigkeit beruhen<\/strong>. Dieser Zusammenhang fehlt, wenn das Opfer auch im Falle der rechtzeitigen Kenntnis vom bevorstehenden t\u00e4tlichen Angriff keine Verteidigungschancen gehabt h\u00e4tte. Ferner muss stets kumulativ die Arg- und Wehrlosigkeit ausgenutzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>bb) Grausamkeit<\/strong><br \/>\nGrausam t\u00f6tet, wer dem Opfer besonder<strong>e Schmerzen oder Qualen k\u00f6rperlicher oder seelischer Art aus gef\u00fchlloser, unbarmherziger Gesinnung<\/strong> zuf\u00fcgt. Eine brutale Tatausf\u00fchrung allein reicht f\u00fcr das Mordmerkmal nicht aus; \u201ebesondere\u201c Schmerzen oder Qualen werden nur zugef\u00fcgt, wenn sie <strong>\u00fcber das f\u00fcr die T\u00f6tung als solche erforderliche Ma\u00df<\/strong> in dem Sinne hinausgehen, dass das Opfer (vom Vorsatz umfasst) \u00fcberm\u00e4\u00dfige starke Schmerzen oder Qualen erleidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>cc) Gemeingef\u00e4hrliche Mittel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gemeingef\u00e4hrlichen Mitteln t\u00f6tet, wer ein T\u00f6tungsmittel so einsetzt, dass er in der konkreten Tatsituation <strong>die Ausdehnung der Gefahr auf andere Personen<\/strong> als das oder die individualisierte(n) Opfer <strong>nicht beherrschen<\/strong> und dadurch eine Mehrzahl weiterer Menschen in Lebensgefahr bringen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Subjektiver Tatbestand<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>a) Vorsatz bez\u00fcglich der objektiven Merkmale des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/212.html\" target=\"_blank\" title=\"&sect; 212 StGB: Totschlag\">\u00a7 212 StGB<\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>b) Vorsatz <\/strong><strong> objektiver Mordmerkmale des \u00a7 211 II 2. Gruppe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>c) Vorliegen subjektiver Mordmerkmale des \u00a7 211 II 1. und 3. Gruppe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>aa) Mordlust<\/strong><br \/>\nAus Mordlust t\u00f6tet, wem es allein darauf ankommt, einen Menschen sterben zu sehen. Die Mordlust ist dadurch gekennzeichnet, dass bei ihr der <strong>Tod des Opfers als solcher der einzige Zweck der Tat<\/strong> ist. Danach t\u00f6tet aus Mordlust insbesondere, wer allein aus Freude an der Vernichtung eines Menschenlebens handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>bb) Befriedigung des Geschlechtstriebs<\/strong><br \/>\nZur Befriedigung des Geschlechtstriebs t\u00f6tet anerkannterma\u00dfen, wer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0\u00a0 <strong>im T\u00f6tungsakt selbst<\/strong> geschlechtliche Befriedigung sucht (Lustmord),<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 wer t\u00f6tet, um <strong>danach<\/strong> seine <strong>sexuelle Lust an der Leiche<\/strong> zu befriedigen, oder<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 wer die <strong>T\u00f6tung seines Sexualobjekts zumindest in Kauf nimmt<\/strong>, um typischerweise den Geschlechtsverkehr durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDies bedeutet aber nicht, dass ein unmittelbarer zeitlich-r\u00e4umlicher Zusammenhang zwischen der T\u00f6tung und der erstrebten Befriedigung erforderlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>cc) Habgier<\/strong><br \/>\nHabgier bedeutet ein <strong>r\u00fccksichtsloses Streben nach Verm\u00f6gensvorteilen<\/strong> um den Preis eines Menschenlebens. Klassische F\u00e4lle sind der Raubmord, Taten gedungener M\u00f6rder und T\u00f6tungen, um in den Genuss einer Erbschaft oder Lebensversicherung zu gelangen (. Generell liegt in<strong> jedem Streben nach Besitz, der Verm\u00f6genswert hat<\/strong>, ein Gewinnstreben. Auf die Gr\u00f6\u00dfe des materiellen Vorteils kommt es nicht an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>dd) Sonstige niedrige Beweggr\u00fcnde<\/strong><br \/>\nNiedrig ist ein T\u00f6tungsbeweggrund, wenn er <strong>nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe<\/strong> steht und deshalb besonders verachtenswert ist. Der Beweggrund muss mithin in deutlich weiterreichendem Ma\u00dfe als bei einem Totschlag verwerflich sein. Die Einstufung beurteilt sich auf <strong>Grund einer Gesamtw\u00fcrdigung<\/strong>, welche die Umst\u00e4nde der Tat, die Lebensverh\u00e4ltnisse des T\u00e4ters und seine Pers\u00f6nlichkeit einschlie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>ee) Erm\u00f6glichungs- bzw. Verdeckungsabsicht<\/strong><br \/>\nDie \u2013 auf eine andere Straftat bezogene \u2013 Erm\u00f6glichungsabsicht ist dadurch gekennzeichnet, dass der T\u00e4ter die <strong>T\u00f6tung als funktionales Mittel<\/strong> einsetzt, um durch eine andere Tathandlung weiteres kriminelles Unrecht begehen zu.<br \/>\nMit Verdeckungsabsicht t\u00f6tet, wem es darauf ankommt, durch die T\u00f6tung entweder die <strong>Aufdeckung der Vortat<\/strong> in einem die Strafverfolgung sicherstellenden Umfang <strong>oder die Aufdeckung seiner T\u00e4terschaft<\/strong> <strong>zu verbergen<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>II. Rechtswidrigkeit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>III. Schuld<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ver\u00f6ffentlicht in der <a title=\"Zeitschriftenauswertung (ZA)\" href=\"http:\/\/www.juridicus.de\/ZA\/konzept.html\">Zeitschriftenauswertung (ZA)<\/a> September 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinweis: Einf\u00fchrung zu der Entscheidungsbesprechung: Verdeckungsmord (BGH; Beschluss vom 03.02.2015 \u2212 3 StR 541\/14) Die Entscheidungsbesprechung wird heute mittag ver\u00f6ffentlicht. Pr\u00fcfungswissen: Aufbauschema Mord, \u00a7 212, 211 StGB (vgl. Rengier, StR BT II, \u00a7 4, 16. Aufl. 2015 m.w.N.) I. Tatbestand 1. Objektiver Tatbestand a) Verwirklichung des Tatbestandes des \u00a7 212 StGB Es muss ein anderer Mensch get\u00f6tet worden sein. b) Objektive Mordmerkmale des \u00a7 211 II 2. 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